Zeiss Cinemizer


Veröffentlicht von Dirk Schuetzner am 23.09.2008 08:34h
Punkte   (8 von 10)
Testbericht Zeiss Cinemizer von www.mobile-reviews.de


Hersteller:

Zeiss


Modell:

Cinemizer


Preis:

370 €


Bilder:

Galerie



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Produktsupport


Revision 1.0 vom 23.10.2008

Auf der Cebit 2008 fiel sie mir direkt ins Auge, die Zeiss Cinemizer. Eine Videobrille die den Bildschirminhalt ihres iPOD oder iPhone direkt auf die Augen beamt. So soll sie den mobilen Kinospaß ermöglichen. Der Hersteller ist auch nicht gerade schüchtern, was die beworbenen Qualitäten betrifft. Demnach soll die Cinemizer Videos mit "nie zuvor gesehener Bildqualität auf einer imaginären Leinwand mit einer Diagonalen von 115 cm in zwei Metern Entfernung" darstellen können. Wie sich das sehr spacige Gadget mit seinen zwei kleinen Bildschirmen im täglichen Einsatz bewährt hat, soll Ihnen mein kleiner Testbericht zeigen.

Design

Testbericht Zeiss Cinemizer
Testbericht Zeiss Cinemizer
Testbericht Zeiss Cinemizer
Testbericht Zeiss Cinemizer
Testbericht Zeiss Cinemizer
Testbericht Zeiss Cinemizer

Space, the final Frontier. Mit der Cinemizer betreten Sie zumindest designseitig neue Dimensionen, zeichnet sich doch die Firma Frog Design dafür verantwortlich. Die haben schon Apples Design in den achtziger Jahre mit bestimmt.

Auf den ersten Blick hat die Cinemizer gewisse Ähnlichkeit mit einer normalen Skibrille. Verspiegelte “Gläser” vermitteln die Illusion einer Brille. Auf den zweiten Blick fällt aber sofort der recht breite Rahmen auf, in dem die beiden Displays und Linsen Platz finden. Die Cinemizer gibt es in den fünf Trendfarben Weiß, Schwarz, Silber, Grau und Rot.

Space, the final Frontiert trifft dann auch aufg den Träger der Cinemizer zu. Betritt er doch neue Dimensionen ausgeprägten Selbstbewusstseins, wenn er die Videobrille in der Öffentlichkeit, sprich Flugzeug oder Bahn aufsetzt. Die interessierten und verwunderten Blicke seiner Mitreisenden sind ihm so gewiss. Nichts für schüchterne Personen, aber zu denen gehört der Käufer der knapp 370 € teuren Cinemizer wohl auch nicht.

Lieferumfang

Testbericht Zeiss Cinemizer Testbericht Zeiss Cinemizer

In der sehr großen Verpackung, auf der der neben dem Zeiss Logo auch gleich das Objekt der Begierde abgebildet ist, kommt ein recht ansehnlicher Lieferumfang zum Vorschein:

  • Zeiss Cinemizer
  • Akkubox
  • Kabelfernbedienung
  • zwei Nasenpolster
  • Kurzanleitung
  • USB-Ladekabel
  • 6 Adapter-Clips für die verschiedenen iPod-Modelle (u.a. Touch, kein iPhone)
  • Ladegerät samt Adapter
  • USB Verbindungskabel

Gleichwohl die Cinemizer über einen Klinke-Eingang zum Anschluss anderer Video-Quellen (z. B. Multimedia-Player, DVD-Player oder Spielkonsolen) verfügt, hat Zeiss ihr kein passendes 4-poliges 3,5 mm A/V Kabel, mit in die Wiege gelegt. Als Testgeräte kam ein iPhone 3G zum Einsatz.

Verarbeitung/Ergonomie/Haptik

Den breiten und klappbaren Ohrbügel sowie zweier austauschbarer Nasenpolster sein Dank. Die Cinemizer lässt sich nach kurzer Eingewöhnung eigentlich recht komfortabel tragen. Die Ohrbügel können Sie in der Länge verstellen, sodass die Brille sicher auf der Nase sitzt. Eine Einstellmöglichkeit auf den Augenabstand des Trägers fehlt hingegen. Mit einem Gewicht von knapp 115 Gramm ist sie allerdings auch kein echtes Leichtgewicht. Auch wenn die Videobrille das Sichtfeld nicht vollständig abdeckt, für den öffentlichen Straßenverkehr ist sie (unter Strafe) nicht geeignet. Im Gegensatz zu so manchem Modell der Konkurrenz kann man die Cinemizer auf die eigene Dioptrien-Stärke einstellen. Hierzu dienen zwei Drehrädchen links und rechts neben den Minidisplays.

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Diese stufenlose Schärferegelung zwischen -3,5 und +3,5 Dioptrie ist einer der größten Pluspunkt der Cinemizer. Zur Unterstützung bietet die Cinemizer hierzu sogar ein Testbild. Die Menüs vom iPod oder iPhone kann die Brille nicht wiedergeben, lediglich der Videomodus wird unterstützt. Dies gilt nicht, wenn man z. B. ein anderes Handy per 3,5 Millimeter Klinke anschließt. Dann klappt auch die Darstellung von Menüs, Spielen und anderer Bildinhalte.

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Die Cinemizer ist über ein Kabel mit der Akkubox samt Apple-Dock verbunden. Im Kabel ist eine Fernbedienung integriert. Dank der haptisch gut unterscheidbaren Knöpfe kann man seine Cinemizer so auch ohne Sichtkontakt bedienen. Neben der Bildhelligkeit kann man hier auch die Lautstärke anpassen sowie Filmen per Play oder Pause steuern und vor- und zurückspulen. Am Apple-Dock finden dann iPod bzw. das iPhone Anschluss. Dafür muss man die austauschbaren Adapter-Clips nutzen, die das Apple Produkt quasi Huckepack nehmen. Ein passender Clip für das iPhone Classic bzw. 3G gehört noch nicht zum Lieferumfang, ist aber in Arbeit. LEDs an der Akkubox informieren über Ladezustand (während des Ladevorgangs blinkt die grün, im Suchmodus blinkt die LED zunächst orange und bei Signalempfang wechselt sie dann zu einem hellem leuchten). Zusätzlich findet man einen Mini-USB-Anschluss zum Aufladen sowie einen Klinke-Eingang zum Anschluss anderer Videoquellen. Ich habe daher mal meinen C64-Joystick (mit einem eingebautem C64) an die Brille angeschlossen. Der Effekt war verblüffend, konnte ich doch unterwegs, quasi mobil meine alten C64-Spiele zocken. Bei längerer Nutzung kann sich allerdings ein Schwindelgefühl breit machen.

Bild- und Klangqualität

Testbericht Zeiss Cinemizer Testbericht Zeiss Cinemizer

Zeiss bewirbt die Cinemizer als "mobiles Kino für unterwegs mit nie zuvor gesehener Bildqualität auf einer imaginären Leinwand mit einer Diagonalen von 115 cm in zwei Metern Entfernung". Oh, da wird bei mir aber ein hoher Anspruch geweckt. Geräte wie das iPhone und der iPOD Touch haben nämlich schon von Haus aus ein sehr gutes und hochauflösendes Bild. Wie will die Videobrille von Zeiss da noch Toppen? Nun, sie bietet eine Auflösung von 640 x 480 Bildpunkten. Damit liefert sie eine höhere Auflösung als iPhone und iPOD Touch. Und tatsächlich, schon nach recht kurzer Zeit stellt sich das Gefühl ein, auf einen großformatigen Fernseher zu schauen. Allerdings nicht unbedingt auf ein Exemplar mit einer 115 cm Diagonalen. Das Bild im 4:3 Format wirkt nach Anpassung auf die eigene Sehstärke sehr scharf und erstaunlich detailreich. Allerdings werden einige Farben (wie z. B. Kupfer) nicht wirklich überzeugend wiedergegeben. Die 3-stufige Helligkeitsregelung an der Fernbedienung sorgt zwar für etwas mehr Farbintensität, hellere Bereiche werden dann aber häufig überzeichnet. Insgesamt kommt die Bildqualität nicht an die des iPhone-Displays heran. Das Bild in der Cinemizer flimmerte anfangs etwas, nach kurzer Zeit hat das Gehirn diesen Effekt allerdings kompensiert. Die speziell aufgenommenen 3D-Filme, die auf der Supportwebseite von Zeiss zum Download bereit stehen sehen sehr beeindruckend aus und wirken ausgesprochen räumlich

Testbericht Zeiss Cinemizer Testbericht Zeiss Cinemizer

Weniger überzeugend wirken hingegen die Ohrhörer. Klanglich durchaus angenehm, vernimmt man deutliche Schwächen im Bassbereich. Stimmen kann man über den eingebauten Kopfhörer allerdings klar und deutlich verstehen. Die Lauscher lassen sich allerdings nicht optimal auf die Ohren einstellen. Warum nicht? Man muss die Ohrhörer zusammen mit den Bügeln recht unflexibel herunter- und vor die Ohren klappen. Die Konkurrenz bietet mit flexiblen In-Ear-Hörern insoweit das bessere Konzept. So schirmen die integrierten Ohrhörer der Cinemizer lautere Umgebungsgeräusche kaum ab. Die maximale Lautstärke ist ausreichend.

Akkulaufzeit

Der Hersteller gibt eine Akkulaufzeit und damit einen Filmgenuss von 4 Stunden an. Diese Laufzeit habe ich in mehrstündigen Tests nachvollziehen können. Die Aufladezeit beträgt dabei knapp 2 1/2 Stunden.

Autor

Man sollte über eine gesunde Portion Selbstbewusstsein verfügen, wenn man die Cinemizer nicht nur daheim, sondern auch im Flugzeug, der Bahn oder im Wartezimmer tragen möchte. Die Cinemizer entschädigt dafür aber mit einem echten Kino-Feeling. Man fühlt sich fast an die eigene Jugendzeit im Kino (1-6 Reihe) erinnert. Die beiden Displays geben Filme scharf wieder und lassen sich dank der getrennt regelbaren Dioptrieneinstellung auf die persönliche Sehstärke des Nutzers einstellen. Die Brille sitzt dabei auch bei längerem Filmgenuss gut auf der Nase und trägt dank der verstellbaren Ohrenbügel nicht auf. Dank Apple-Dock und 3,5 Millimeter-Klinke akzeptiert sie fast jedes videofähige Mobiltelefon und sogar Spielkonsolen. Die etwas unflexible Ohrhörer-Konstruktion sollte Zeiss beim nächsten Modell noch einmal überdenken.

Soweit so gut. Wenn, ja wenn da nicht der sehr hohe Preis wäre. Qualität hat zwar bekanntlich ihren Preis, aber knapp 370 € sind wahrlich kein Pappenstiel. Läge der Preis bei ca. 180 € würde ich eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen. So kann ich nur empfehlen, das Gerät vor dem Kauf selbst auszuprobieren.





  

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