T-Mobile (Google) G1


Veröffentlicht von Dirk Schuetzner am 26.02.2009 18:05h
Punkte   (8 von 10)
Testbericht T-Mobile (Google) G1 von mobile-reviews.de

Hersteller:

HTC

Modell:

G1

Bezugsmöglichkeit:

T-Mobile G1

Bilder:

T-Mobile G1
Kamerabilder

Revision: 23.02.2009

Mit dem T-Mobile G1 "with Google" erscheint das erste Smartphone auf der Basis von Android™ auf dem deutschen Markt. Ursprünglich von HTC entwickelt (HTC Dream) hat T-Mobile die Chance beim Schopf gepackt und bringt nach dem Apple iPhone ein weiteres Mobiltelefon als "T-Mobile-exklusiv" raus. Beim G1 sorgt ein 3,2-Zoll-Touchscreen mit einer Auflösung von 320 x 480 Pixel bei 65.000 Farben für eine einfache Bedienung. Wie beim Apple iPhone ist er kapazitiv ausgelegt, Multi-Touch fehlt aber aus lizenzrechtlichen Gründen. Eine 3.2 Megapixel-Kamera soll für gute Fotos sorgen, versagt allerdings recht kläglich. Das integrierte GPS wird in erster Linie für Geotagging genutzt, erst in zweiter Linie ermöglicht es - über das vorinstallierte Google Maps - eine Art von Navigation. Natürlich bietet auch das G1 UMTS mit HSDPA. Das Betriebssystem stammt unter anderem von Google, so darf man sich natürlich nicht wundern, wenn auch alle Google-Applikationen gleich mit dabei sind. Ohne ein entsprechendes Google-Mail Konto kann man es nicht einmal aktivieren. Wie sich das pummelige Smartphone im täglichen Büroalltag geschlagen hat, soll Ihnen mein Testbericht zeigen.

Design/Haptik/Verarbeitung

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Mit den Abmessungen von 56 x 118 x 17 mm ist es ein sicher kein Flachmann. Das ist allerdings auch nur sehr schlecht möglich, denn das G1 verfügt über eine ausziehbare QWERTZ-Tastatur mit 48 leicht knubbeligen Tasten. Da darf es dann ruhig mal etwas dicker auftragen. Und das kann es gut, schließlich wiegt es nicht weniger als 160 g, obwohl es zu 100% aus einem – auf den ersten Blick - nicht gerade überzeugenden Kunststoff besteht.  

Der Knick im unteren Teil ermöglicht beim telefonieren eine recht ermüdungsfreie Handhaltung, sofern einen 160 g in der Hand nicht etwas zu schwer vorkommen. Optisch ist das G1 weit ab von einer Designikone ala iPhone. Da werden eher die Fans rustikalerer Auftritte angesprochen. Sozusagen mehr „Gelsenkirchener Barock“ denn „cupertinischem Charme“. Geschmack ist aber bekanntlich unteilbar. Ecken und Kanten sucht man beim G1 aber trotzdem vergebens.

Die Vorderseite wird fast ausschließlich vom 3,2-Zoll-Touchscreen dominiert, unterhalb des Screens gibt es nur noch vier Tasten und einen Trackball, wie ihn der ein oder andere schon vom BlackBerry oder Samsung i550 her kennt. Das Kunststoffgehäuse des T-Mobile G1 kommt entweder in mattschwarz oder in weiß glänzend daher, je nach Farbwunsch. Die Rückseite besteht quasi nur aus dem Akkudeckel und ist dabei mit einer gummiartigen Schicht, einer sogenannten Softtouch-Oberfläche überzogen. Das verbessert den Grip. Der Deckel selber sitzt sehr stramm und macht einen etwas labilen Eindruck. Beim Versuch den Plastikdeckel zu entfernen, hat man Angst, das ganze Handy zu zerbrechen. Gott sei Dank ist die Angst unbegründet.

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Die Kameraoptik auf der Rückseite wird leider nicht vor Kratzern geschützt, einzig ein kleiner Plastikpickel verhindert den direkten Kontakt mit der Auflagefläche. Der Touchscreen reagiert sehr zügig und direkt auf Eingaben, manchmal genehmigt sich das darunter liegende Betriebssystem Android allerdings eine kleine „Gedenksekunde“ und das, obwohl das G1 mit einem 528 Mhz Prozessor befeuert wird.  So kann man das T-Mobile G1 problemlos mit den Fingern bedienen und auch nur mit diesen. Dank des kapazitiven Touchscreens fällt die Bedienung mit dem Fingernagel oder einem Stylus flach. Eine Notiz- oder Skizzenfunktion wie man sie von Windows Mobile her kennt ist auf dem G1 also kaum möglich. Multitouch ist dem G1 allerdings leider fremd. Android beherrscht zwar diese Art der Steuerung, aus lizenzrechtlichen Gründen wurde sie aber im aktuellen Release deaktiviert. Das hat einen findigen Programmierer aber nicht davon abgehalten, genau diese nützliche Funktion zu reaktivieren. Wie bei touchgesteuerten Modellen üblich, werden Eingaben auf Wunsch durch einen abschaltbaren Ton bestätigt.

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SMS und E-Mails lassen sich fast bequem über die vollwertige QWERTZ-Tastatur im Querformat erfassen.

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Warum nur fast? Nun zunächst ist die weiße Tastaturbeleuchtung des G1 gelinde gesagt mäßig, denn gerade beim weißen Exemplar (weiß auf weiß) ist sie fast unsichtbar. Das Problem haben wohl auch andere erkannt, zumindest gibt es im Android-Market bereits ein Programm, welches die Tastaturbeleuchtung direkt abschaltet. Aber auch beim schwarzen G1 ist sie nur bei tiefer Dunkelheit nützlich. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Erleuchtung erst bei Tastendruck einstellt. Über einen Helligkeitssensor verfügt das G1 nämlich nicht. Die 48 Tasten sind auf vier Reihen a 10 Drücker sowie eine Reihe mit 8 Drückern, darunter eine spezielle Taste für die Google-Suchfunktion, verteilt. Haptisch leicht knubbelig gestaltet, weisen sie einen recht guten Druckpunkt auf und liegen größenseitig in etwa auf dem Niveau des Nokia E71.  Ein Blindflug über die recht weit auseinander stehenden Drücker ist aber dennoch nicht möglich, zu schlecht kann man sie erfühlen. Zudem bilden sie fast eine Ebene mit dem Tastenbett. Über eine virtuelle QWERTZ-Tastatur verfügt das G1 mit dem aktuellen Android-Release leider nicht, so muss man es für fast alle Eingaben erst umständlich aufklappen. Lediglich ein virtueller Ziffernblock erscheint in den entsprechenden Anwendungen.

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Die HTC-typische micro-USB Lade-/Kopfhörerbuchse samt fummeliger Abdeckung befindet sich an der Unterseite des Mobiltelefons. Wer gleichzeitig Musikhören und sein G1 laden will ist aufgeschmissen. Beides gleichzeitig ist nicht möglich. Eine dauerhafte Berieselung ist damit ausgeschlossen und wird vom schwachen Akku vordiktiert. Beim G1 hat HTC auf einen 3.5 mm Klinkenanschluss verzichtet. Abhilfe verspricht da nur der hauseigene und kostenpflichtig HTC YC-A300 Adapter.

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An der unteren linken Gehäuseseite befindet sich eine nahezu unsichtbare Abdeckung für den Speicherkarteneinschub. Will man seine Speicherkarte wechseln  - leider verdaut das G1 aktuell nur höchstens 8 GB microSDHC-Karten – sollte man sich auf eine recht fummelige Orgie einstellen, der kleine Nippel zum öffnen ist gut versteckt und erst nach dem aufschieben des Displays erreichbar. Quietsch- oder Knarzgeräusche sind dem Google-Handy erfreulicherweise aber nahezu fremd. Wobei die Displayaufhängung etwas wackelig erscheint. Die Verarbeitungsqualität ist in der Serie aber  eher wechselhaft. Ich habe schon Geräte in der Hand gehabt, die nicht ganz so gut verarbeitet waren wie mein Testgerät. Zurück zu den Bedienelementen des G1. Weiter oben befindet sich der wippenartige Laut-Leiseregler. Den Auslöser für die Kamera hat man auf die rechte Außenseite verbannt.

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Auf der Frontseite findet der G1-Nutzer dann zwei Tasten zur Gesprächssteuerung in Form zweier Hörertasten. Der mit einem Häuschen gekennzeichneten Drücker führt direkt zum Standby-Screen und die mit einem Pfeil gekennzeichnete Taste löscht Eingaben, bzw. springt einen Menüeintrag zurück. Mittig unterhalb des Displays hat HTC einen recht kleinen Trackball zur Steuerung positioniert. Bei BlackBerrys de facto Standard, wird er bei Smartphones noch eher zögerlich eingesetzt. Zuletzt wurde er beim Samsung i550 in freier Wildbahn gesichtet. Warum ist das so? Nun, der Umgang mit dem recht nervösen Trackball erfordert Übung, dann klappt die Steuerung aber recht präzise. Gleichwohl sie z. B. für Actiongames eher ungeeignet ist. Leider kann man die Sensibilität nicht selber ändern.

Größenvergleich (Apple iPhone 3G)

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Technik

Rein technisch betrachtet kann das G1 mit einer recht guten Ausstattungsliste punkten. Neben dem exzellenten 3,2-Zoll-Touchscreen mit einer Auflösung von 320 x 480 Pixel sowie einen Slot für microSD(HC) Speicherkarten bietet das Google-Handy noch eine 3.2-Megapixel-Kamera mit Autofokus aber ohne Beleuchtung. Softwareseitig hat man immerhin einen  Musicplayer vorgesehen. Einen Videoplayer oder die Möglichkeit zum aufnehmen von Videos bietet das G1 ab Werk unverständlicherweise nicht. Gut das es da, den Android-Market mit seiner Vielzahl an den überwiegend kostenlosen Programmen gibt. Hier kann man sein G1 mit Videoplayer, Videorecorder oder sogar einem Internetradio aufrüsten. Mein Dank an alle ambitionierten Programmieren. Google, warum nicht gleich so? Diejenigen unter Ihnen, die ihr G1 auch zum Telefonieren nutzen wollen kann Entwarnung erteilt werden. Als Quad-Band-Gerät (GSM 850/900/1800/1900) mit Unterstützung für den UMTS Datendienst HSDPA ist es nahezu überall auf der Welt einsetzbar. Kontakt mit der Außenwelt nimmt es über Bluetooth sowie USB 2.0 allerdings OHNE AVRC und A2DP auf.

Lieferumfang

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Zum Lieferumfang des  449 € (UVP) teuren Schmuckstücks gehören eine 2 GB microSD Speicherkarte, ein Stereo-Headset mit guter Klangqualität, eine CD mit Software sowie eine Transporttasche ohne Gürtelschlaufe. Der Transport des schwergewichtigen G1 will also wohl überlegt sein. Diverse Bedienungsanleitungen und ein Reiseladegerät sowie ein USB-Datenkabel vervollständigen das Paket. Optisch kommt das G1 in einer - bei HTC schon fast typischen - schwarzen Verpackung daher. Ach ja, es liegen auch ein paar Abziehbildchen mit dabei. Sozusagen, die Henna Tatoo für das G1. Wer sein "Pummelchen" damit aufhübschen will, nur zu!

Display

Das recht helle Display gibt Texte, Grafiken und Videos mit einer Auflösung von 320 x 480 Pixel bei 65.000 möglichen Farbkombinationen wieder. Es ist berührungsempfindlich und das ist auch gut so, denn das G1 wird nahezu vollständig über den 3,2-Zoll-Touchscreen gesteuert. Wer mag, kann es aber auch über den Trackball bedienen. Die bunten und nahezu selbsterklärenden Menüicons sind ausreichend groß aber etwas lieblos gestaltet, immerhin kann man das G1 so bequem mit den Fingern bedienen. Sehr interessant ist wiederum der Öffnungsmechanismus des Displays. Dazu wird das Display nicht einfach aufgeslidet, wie man es z. B. vom HTC Touch Pro her kennt. Nein, beim öffnen bewegt es sich auf einer Halbkreisbahn. Damit sich das Display nicht verselbständigt, ist auf der Gehäuserückseite eine recht breite Rinne in das Gehäuse eingefräst worden. Die Mechanik macht zwar einen robusten Eindruck, inwiefern sich dieser Umstand in der Zukunft ggf. ändert, wird erst die Zukunft zeigen. Fotos und Videos können auf dem Display sowohl im Hoch- als auch im Querformat betrachtet werden. Hierzu verfügt das T-Mobile G1 über einen Lagesensor.

Menü/Bedienung

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Mit Android wählt Google einen anderen - angeblich intuitiveren - Weg ein Mobiltelefon zu bedienen. Die Menüoberfläche macht den Eindruck, als wenn man das SpringBoard des Apple iPhone und das TouchFlo von HTC gekreuzt hätte. Drei unterschiedlich konfigurierbare Bildschirme stellen das Herz, sozusagen die Schaltzentrale dar. Hier kann der Nutzer sowohl sogenannte Widgets ablegen und wieder löschen. An Widgets stehen bisher eine Analoguhr, eine Foto-Slideshow sowie die unvermeidliche Google-Suchfunktion zur Auswahl. Mehr Widgets sind in Planung und lassen sich zukünftig über den Android-Market installieren. Ab Werk  findet man hier vier Verknüpfungen für das Telefon, die Kontakte, den Browser sowie den (Google) Kalender. Wie erstelle ich so eine Verknüpfung? Nun ganz einfach, einfach das Icon mit der gewünschten Anwendung per drag & drop auf den Bildschirm ziehen loslassen und fertig. Ein Widget oder sogar einen Ordner erstelle ich, indem ich den Homescreen etwas länger gedrückt halte, dann bietet mit das G1 die Auswahl zwischen Anwendung, Verknüpfung, Widget und Hintergrund. Verknüpfungen zu häufig genutzten Kontakten, Playlisten, Lesezeichen und sogar zu einzelnen Ordnern seines Google-Mail Kontos sind ebenso kein Problem, wie zu allen installierten Anwendungen und Spielen. So hat man schnell Zugriff auf wichtige Funktionen, wie z. B. den integrierten Musicplayer. Die maximale Kontrolle sozusagen. Anwendungen und Verknüpfungen können dann der Übersicht halber in Ordner sortiert werden. So kann man fast beliebig viele Icons auf das Display ziehen und an jeder beliebigen Stelle ablegen. Das eigentliche Menü an der Unterseite des Screens gerät so fast in Vergessenheit. Es wird von unten nach oben, respektive von rechts nach links per Fingerzeig „aufgezogen“. Dort werden alle Anwendungen und Spiele „am Stück“ und in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet. Wer im Laufe der Zeit mehr und mehr davon installiert (und das ist definitiv der Fall) wird diese Liste schnell hassen lernen. Ähnliche Erfahrung machen die Anhänger(innen) des iPhone mit ihren zahlreichen SpringBoards. So stellen die drei Homescreens eine gute Lösung dar.

Anwendungen

An dieser Stelle sollte man sich zunächst einmal die Philosophie, wenn man sie so nennen mag, von Android und Google zu Gemüte führen. Das Credo lautet nämlich: "wir liefern das Grundgerüst, ihr liefert das schmückende Beiwerk". Ab Werk ist das G1 daher - was die vorinstallierten Anwendungen und Funktionen betrifft- sicher kein Ausstattungswunder. Neben den üblichen PIM-Programmen, wie E-Mail, Kalender, Kontaktverwaltung hat aber auch ein Taschenrechner Einzug ins G! gefunden. Für viel mehr hat es dann aber nicht gereicht.

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Natürlich, Google liefert sein komplettes Ausstattungspaket, wie YouTube, Google-Mail & Google-Maps mit, aber den Rest muss man sich im Android-Market zusammen suchen. Hier gibt es neben Perlen, wie einem kostenlosen Programm für zeitgesteuerte Profile, Musicplayer, Videoplayer, auch eine Menge Schrott. Im Gegensatz zu Apples AppStore werden die Anwendungen vorab nicht wirklich durchgeprüft, dies bleibt dem Nutzer überlassen. Eine spezielle Meldefunktion weist Google dann auf Malware hin. Das hat den Vorteil, dass eine Anwendung innerhalb von 6-8 Stunden im Market verfügbar ist. Apple braucht hierfür 6-8 Wochen!

Aber zurück zu den Basics. Das G1 signalisiert Anrufe sowohl durch Vibration, als auch durch gleichzeitiges Klingeln und Vibrieren oder aber nur durch Klingeln. Jede denkbare Kombination ist möglich. Die Systemsounds sind dabei änderbar, allerdings nicht wirklich intuitiv.

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Trotz der kompletten Palette an Anwendungen von Google (Google Mail, Google Maps, Google Suche) verfügt das G1 nicht mal über einen eingebaute Wecker. Die Kontaktdatenbank kann neben den üblichen Informationen, wie Name und Vorname, auch Notizen zu einem Kontakt hinterlegt werden.

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Auf Wunsch wird auch ein Bild des Kontaktes abgespeichert und bei einem Anruf als Bild angezeigt. Kontakte lassen sich durch Eingabe der entsprechenden Buchstaben suchen. Es besteht zudem die Wahl zwischen SIM-Kontakten und denen im Telefon. Die vorhandenen Kontakte können dann in Gruppen eingeteilt werden. Bei den Kontaktfeldern sind zahlreiche zusätzliche Informationsdetails möglich (Festnetz und Mobilnummer, E-Mail, Anruferbild, etc.) Zusätzliche Felder kann man beim G1 manuell hinzufügen. Im Telefonbuch findet man auch das Telefonprotokoll, in dem eingehende und ausgehende Anrufe verzeichnet werden. Ein spezielles Feld für Geburtstage gibt es zwar, diese werden aber unverständlicherweise nicht in den Kalender übernommen.

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Der Kalender bietet neben der Tages- auch noch eine Wochen- und Monatsansicht und informiert so auf einen Blick über anstehende Termine. Selbst eine Terminübersicht wird angeboten. Wiederkehrende Termine sind genauso möglich, wie die Tatsache, dass Terminüberschneidungen bei der Eingabe nicht angemahnt werden. Hier vertraut das G1 voll der Übersicht seines menschlichen Herrn und Meisters. In der Wochen- und Monatsübersicht werden Termine durch entsprechend lange grüne Balken dargestellt. Über eine Sprachwahl oder gar Sprachsteuerung verfügt das G1 nicht. Auch hier ist man in erster Linie auf den Kalender von Google angewiesen. Java unterstützt das G1 ab Werk nicht, aber auch hier gibt es im Android-Market einen passenden Interpreter namens J2ME MIDP Explorer.

Unterhaltung

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Der Musicplayer des G1 entspricht optisch dem Trend. In der linken oberen Ecke wird dabei ein Coverart dargestellt, rechts daneben befinden sich die drei Tasten für die Shufflefunktion. Die drei virtuellen Buttons zur Player-Steuerung befinden sich in der unteren Hälfte. Der Sound klingt in Verbindung mit dem mitgelieferten Stereo-Headset etwas dumpf, dafür ziemlich basslastig. Ohne passenden 3,5 mm Klinkenadapter kann man zunächst keine höherwertige Pendants aus dem High-End Bereich anschließen. Legt man sich so einen Adapter zu (und das würde ich dringend empfehlen), so wird die Klangqualität deutlich angehoben und kann so auch mit MP3-Playern aus dem gehobenen Mittelklassesegment mithalten. Ich habe hierzu den HTC YC-A300 genutzt, denn damit kann man mehrere Kopfhörer sowie das Ladekabel gleichzeitig betreiben.

Um die maximale Soundqualität des G1 testen zu können, habe ich neben meinem Referenzkopfhörer, dem iGrado von Grado, auch noch den weit verbreiteten und überaus günstigen Koss Porta Pro, einen Sennheiser CX300 sowie den EP 630 von Creative Labs eingesetzt.

iGrado PortaPro CX300 EP630

iGrado von Grado
(C) Grado

Koss Porta Pro
(C) Koss
Sennheiser CX300
(C) Sennheiser
Creative Labs EP630
(C) Creative Labs

Der iGrado fordert bekanntlich ein sehr hohes Eingangssignal um in Wallung zum kommen. Die maximale Lautstärke des G1 reicht locker aus, um auch die ziemlich großen Wandler des iGrado in ausreichende Schwingungen zu versetzen. Das Ausgangssignal ist gut, dass es sogar den Einsatz der recht klobigen iGrado rechtfertigen würde. Wer also mit dem "Marsmännchen-Look der iGrado" leben kann, bekommt eine exzellente Kombination.

Der Sennheiser CX300 ist für einen InEar ebenfalls eine gute Alternative, dessen Bassbereich nochmal deutlich stärker rüber kommt. Der Klang wird beim G1 dann aber im Bassbereich stark komprimiert und die Höhen zu früh gekappt, so dass man die CX300 schnell wieder in die Schublade legt. Da kann der Creative Labs EP 630 schon eher überzeugen. Aber auch hier werden beim G1 die Höhen etwas zu früh abgeschnitten. Der kleine Koss Porta Pro spielt mit dem T-Mobile G1 deutlich harmonischer zusammen. Die Mitten werden dann aber stärker betont. Grundsätzlich unterstützt das Google-Handy leider kein A2DP und AVRCP. Somit kann man den Sound auch nicht über Stereo-Bluetooth-Kopfhörer, wie zum Beispiel dem Motorola S9 ausgeben.

Folgende Alben aus den Bereichen Klassik, Electronic, Pop wurden - neben vielen anderen - zum Test genutzt. Im Bereich "Trance" mit seinen elektronischen Sounds und Filtersweeps kam Armin van Buurens wöchentlicher Podcast "A State of Trance" zum Einsatz. Der Song "I against I" von Mos Def aus dem Soundtrack zu "Blade 2" hat eine starke Bassbetonung und ist daher für einen Test in meinen Ohren gut geeignet. Sämtliche MP3 sind eigenhändig mit mindestens 256 kbit unter Zuhilfenahme der Software "LAME" codiert worden.

Sarah Brightman
(Symphony)
Assemblage23
(Storm)

OST Blade2
(Mos Def & Massive Attack - I Against I)

The Corrs
(Talk on Corners)
iGrado
iGrado
iGrado
iGrado

Songs kann man nach verschiedenen Kriterien sortieren (z. B. Interpreten, Alben, Genres).

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Über Wiedergabelisten kann man das G1 so zu einer recht passablen Musikbox umfunktionieren. Dabei sollte man aber den Touchscreen sperren. Durch die Multitaskingunterstützung kann man seine Songs auch im Hintergrund weiter laufen lassen und nebenher noch andere Aufgaben erledigen. Wer es abwechslungsreicher mag, kann seine Songs in zufälliger Reihenfolge abspielen. Selbst die Wiederholung eines oder aller Songs ist möglich. Über ein integriertes FM-Radio verfügt das T-Mobile G1 leider nicht. Im Android-Market gibt es aber schon passenden Ersatz. Verfügt man über eine Datenflatrate (ohne die macht das G1 eh keinen Sinn), so kann man Radio auch über das Internet empfangen. Einen Videoplayer kann das G1 auch nicht vorweisen, aber auch hier wird man im Android-Market fündig.

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CC Cinema ist da eine sehr gute und vor allen Dingen kostenlose Lösung. Dann machen Videos auch auf dem 3,2-Zoll-Display richtig Spaß. Videos mit einer Größe von mehr als 480x360 Pixel werden aber nur noch leicht ruckelnd abgespielt. Die Spielernaturen unter sollten ebenfalls in den Market schauen, dort gibt es eine Vielzahl von Spielen, teilweise aber nur als Test- oder Lite-Versionen.

Klang

Obwohl das G1 nur über einen rückseitig verbauten Lautsprecher verfügt, ist die maximale Lautstärke des Musicplayers ausreichend, um am Arbeitsplatz (sofern dieser nicht gerade auf einer Baustelle liegt) problemlos als MP3-Player-Ersatz herzuhalten. Gespräche über die eingebaute Freisprecheinrichtung sind akustisch ebenfalls kein Problem. Die Verständigung zwischen den Gesprächspartner ist grundsolide. Während eines normalen Gesprächs werden die Stimmen zwar etwas dumpf und gelegentlich auch mit einem Echo wieder gegeben, als störend wurde das von mir aber nicht empfunden. Die zahlreichen Klingel- und Signaltöne sind eher dezent. Wer sie nicht mag kann zumindest die Klingeltöne auf seine eigenen MP3 umbiegen. Die Signaltöne lassen sich ab Werk nicht sonderlich weit personalisieren, dazu muss man wieder mal auf dem Market zurückgreifen, frei nach dem Motto "Gibt es da nix von Ratio....".

Connectivity (Internet/E-Mail/GPS)

Das T-Mobile G1 wurde von HTC als Quad-Band (GSM 850/900/1800/1900-Netze) Funker mit Unterstützung für UMTS samt HSDPA und WLAN ins Rennen um die Gunst des Käufers geworfen. Der integrierte Browser unterstützt dabei alle gängigen Standards (HTML, XHTML, WAP) und kann HTML Seiten so angzeigen, wie man sie vom Desktop her kennt.

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Dabei steht er dem iPhone in nichts nach. Das ist allerdings auch kein echtes Wunder, beide basieren auf dem gleichen Grundgerüst namens Webkit. Da sich das G1 offiziell (aus lizensrechtlichen Gründen) nicht über Multitouch steuern lässt, hat Google zum Vergrößern eine Bildschirmlupe vorgesehen.

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Leider dreht sich der Browserinhalt beim aktuellen Release von Android nicht automatisch mit dem G1 mit, das wird erst mit dem HTC Magic und Cupcake möglich werden. Manuell ist das aber kein Problem. Der Ersatzbrowser Steel ist da dann die richtige Alternative, denn neben einer vollwertigen Bildschirmtastatur dreht sich hier auch der Bildschirminhalt mit.

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Zum Thema E-Mail sei gesagt, dass man - oh Wunder - am besten mit Google-Mail fährt. Das T-Mobile G1 liefert dann nämlich auch Pushmails aus. Wer hingegen die E-Maildienste von anderen Anbietern nutzen möchte, dem bleibt nur das manuelle einsammeln über IMAP oder POP3 oder IMAP. Immerhin kann man die Wartezeit auf 5 Minuten reduzieren. Eine Anbindung an Exchange-Server ist ab Werk noch nicht vorgesehen, die Lösungen von Drittanbietern sind bisher unbefriedigend. Das G1 zielt aber auch nicht auf Businessuser mit Exchange-Konten ab. Für Freunde "ungepflegter" Kommunikation gibt es zudem einen Instant Messaging. Durch die vollwertige Tastatur ist das G1 für die mobile Kommunikation gut gerüstet. Da das G1 für den amerikanischen Markt entwickelt wurde, ist es ein würdiger Ersatz für den Sidekick. Wer seine Kontakte, Kalender und E-Mails sowieso über Google verwaltet, findet im G1 dafür ein perfektes Werkzeug. Das Google-Handy ist ständig online um Kontakte, E-Mails und Nachrichten aktuell zu halten. Ein Graus für Datenschützer, auch wenn Google behauptet, die Daten nicht für eigene Zwecke zu nutzen. Ohne den passenden Datentarif kann es daher teuer werden. Daher wird das G1 auch nur über einen Operator, eben T-Mobile angeboten. Auch die in Spanien erhältliche "freie" Version namens "HTC Dream" wird dort nur über einen Provider vertrieben. Noch eine Warnung: Microsoft Outlook zum synchronisieren von Kontaktdaten wird nicht unterstützt!

Kamera/Video

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Umsteiger vom Apple iPhone werden ihre wahre Freude an der Kamera des T-Mobile G1 haben. Bietet sie doch nicht nur 3.2 Megapixel, nein auch auf umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten hat man verzichtet.

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Man kann also ein Foto machen, oder eben nicht. Da wird man doch gleich an den Minimalismus aus Cupertino erinnert. Auch beim G1 nutzt man das große Display als Sucher. Wie bei einer echten Digicam wird es dann im Quermodus gehalten. Ok, macht die Optik der eingebauten Kamera dann wenigstens gute Bilder? Nun, grundsätzlich ist immer zunächst der Fotograf für die Qualität der Bilder verantwortlich.

Die eingebaute Automatik erzeugt für eine 3.2-Megapixel-Handykamera leidlich überzeugende Aufnahmen. Bei schlechterer Beleuchtung wirken diese leicht verwaschen bzw. milchig. An der Kunststoffabdeckung der Linse liegt es jedenfalls nicht. Weiße Flächen weisen zudem einen leichten Rotstich auf, mit anderen 3-Megapixel-Modellen habe ich bessere Ergebnisse erzielen können. Dank des integrierten GPS-Empfängers werden die Bilder auf Wunsch auch mit den passenden Längen- und Breitengraden versehen, Geotagging nennt man das heutzutage.

Akkulaufzeit

Ja, das ist mein Lieblingsthama, hier kann man nämlich wunderbar ablästern, zumindest beim G1. Ich dachte schon, der Akku meines 3G wäre etwas schwach auf der Brust. Aber im direkten Vergleich ist die Kraftzelle des G1 ein absoluter Schlappmacher. Im normalen Betrieb (15 Minuten telefonieren, 20 Push-Mails, 90 Minuten MP3, ein paar Fotos) hält der Akku mit immerhin 1150 mAh etwa 7 Stunden! Schaltet man UMTS ab, verlängert sich die Akkulaufzeit um knapp 2 Stunden. Dauerhaft eingeschaltetes GPS/WLAN hat auf die maximale Akkulaufzeit keinen Einfluss, zumindest dann nicht, wenn das G1 sich im Standby-Modus befindet. Als Internetradio bei konstanter 3G-Verbindung macht das G1 nach knapp 5 Stunden schlapp. Surft man per WLAN, so reicht es für immerhin 4 1/2 Stunden Onlinevergnügen. Intensivnutzer mit Telefonitis werden ihr Schmuckstück daher zweimal am Tag laden müssen, alle anderen wird das G1 einen nicht allzu intensiven Arbeitstag begleiten, bevor es nach Strom lechzt. Das ist nicht wirklich viel!

Videotestbericht

Fazit

Autor

Der wirklich gute kapazitive Touchscreen in Verbindung mit dem etwas nervösen Trackball ermöglicht nach kurzer Eingewöhnung eine flotte Bedienung des Taschencomputers. Das geht auch ziemlich komfortabel, wenn man die Funktionsweise der drei Homescreens verstanden hat. Die Volltastatur lädt zum kommunizieren per SMS/MMS und E-Mail geradezu ein. Dank des Android Market darf und soll man eine nahezu unbegrenzte Zahl an Spielen und Programmen nachinstallieren. Das eingebaute GPS kann neben Geotaggings auch als Navigationshilfe genutzt werden, die 3-Megapixel-Kamera ist zwar nicht das Gelbe vom Ei, dafür kann der hervorragende Browser voll überzeugen. Wenn, ja wenn da nicht die sehr mäßige Akkulaufzeit wäre. UMTS abzuschalten ist in meinen Augen keine Option, zu sehr ist das G1 von einer bestehenden Internetverbindung abhängig. Ohne diese (und ein Google-Konto) ist das nur ein weiteres Smartphone, allerdings mit einem richtungweisenden Betriebssystem. Allen Interessierten würde ich aber zu einem Blick auf das kommende HTC Magic (ohne Volltastatur) raten. Zumal knapp 360 € für das G1 kein Pappenstiel sind.

Renoir





  

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