Blackberry Curve Testbericht

Veröffentlicht von Dirk Schuetzner am 18.09.2007
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Testbericht Blackberry Curve von www.mobile-reviews.de

Revision 1.0 vom 17.08.2007

Blackberry. Der Name löst bei Managern wohlige Schauer aus, sind sie doch ein typisches Managerspielzeug. Multimediafunktionen waren nie ein Thema für die Geräte aus dem Hause RIM. Das war von Seiten der Anwender sicher auch so gewollt. Mobiles mit Multimediaschnickschnack und Kameras sind in Führungsetagen eher zweitrangig, oft sogar auch verboten. Wichtiger waren und sind da eher ausgefeilte Officefunktionen sowie eine sichere Anbindung an das firmeneigene Netzwerk. Und gerade in diesen Punkten sind Blackberry nahezu unerreicht gut. Zum zweiten Mal - nach dem Blackberry Pearl - wandelt RIM aber sozusagen auf Abwegen, denn der Curve (8300) ist nicht nur ein waschechter Blackberry, er vereint diesmal auch Multimediafunktionen in sich. So kann er doch eine 2 Megapixel Kamera samt erweiterten Musikplayer vorweisen. Was der Curve sonst noch alles kann, soll Ihnen mein Testbericht zeigen.

Design & Lieferumfang


Video des Blackberry Curve Design

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(Hier gibt es mehr Bilder)

In einem dezenten Mix aus Silber und Schwarz kommt der Blackberry Curve daher. RIM nutzt hierbei einen glänzenden, sehr hochwertigen Kunststoff. Aus der Masse der schwarzen Smartphones hebt er sich so wohltuend ab, ohne besonders aufdringlich zu wirken. Eine gelungene Mischung aus Business und Stil.

Die Vorderfront des Curve wird von der QWERTZ Tastatur sowie seinem großen Display dominiert. Beim Curve handelt es sich um kein kleines Smartphone, seine Abmessungen von 107 x 60 x 15.5 mm bei einem Gewicht von 111g lassen daran auch keinen Zweifel. Im Vergleich zu seinem Bruder, dem Blackberry 8800, ist er aber geradzu klein. So lässt sich der Curve mehr oder weniger unauffällig in der Hemdtasche tragen. Das ist ab Werk leider auch notwendig. denn die schöne und praktische Gürteltasche aus Lammleder (Pitch Black), die noch dem 8800 beilag, fehlt beim Curve gänzlich. Einzig ein Lederetui ohne Gürtelclip wurde ihm gegönnt.

Curve Curve

In der unspektakulären baluen Verpackung findet der User

  • Blackberry Curve
  • LiIon Akku
  • Lederetui
  • Stereo Kopfhörer (3.5 mm Klinkenanschluss)
  • Blackberry Desktop Software (Version 4.2.2)
  • Roxios Easy Media Creator
  • Anleitung
  • Ladegerät samt 2 Adapter
  • USB Verbindungskabel

Soweit, so gut. Leider liefert RIM keine microSD-Karte mit. Zukünftige Nutzer sollten also den Kauf einer Speicherkarte gleich mit einplanen.

Verarbeitung/Haptik

Im Vergleich zum Blackberry 8800 tritt der Curve deutlich gefälliger in Erscheinung. Unterstützt durch die Verwendung von Softtouch-Materialien und der Abwesenheit jeglicher Kanten oder Ecken macht der Curve einen guten haptischen Eindruck. Die Verarbeitung ist insgesamt gut, gleichwohl die beiden Öffnungen für Kameralinse samt LED Blitzlicht nur in den Akkudeckel eingestanzt wurden. Auch die miniUSB Öffnung und der Kopfhöreranschluss auf der linken Seite des Curve liegen offen. Das QWERTZ Keyboard lässt sich auch mit etwas größeren Fingern gut bedienen. Hier spielt der Blackberry seine Stärken voll aus. Die Drücker stehen hierbei ausreichend weit auseinander und ermöglichen entspanntes tippen. Im Dunklen erleichtert die gleichmäßig weiße Tastaturausleuchtung sicheres Arbeiten. Ein Sensor (oberhalb des Displays) regelt die Beleuchtung automatisch. In Punute Bedienung und Verarbeitung kann ihm das Nokia E61(i) da noch das Wasser reichen.

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Auch beim Curve kommt wieder der Trackball zum Einsatz.

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Hat man sich erst einmal an diese Art der Bedienung gewöhnt, rollt es sich flink durch das Menü. Schön, dass man die Empfindlichkeit des Trackballs individuell anpassen kann. Links neben dem Trackball befindet sich die Menütaste und der Drücker zur Gesprächsannahme. Rechts neben dem Trackball die "Zurück"- sowie die rote Taste zum Beenden eines Gesprächs.

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Auf der Oberseite des Curve versteckt sich der Drücker zur Stummschaltung des Mobiles. Ein Druck und der Curve verfällt in den Standbyschlaf. Nutzer anderer Gerätehersteller werden an dieser Stelle den Ein-/Ausschalter vermuten. Der Blackberry Curve wird aber mit der roten Hörertaste ein- und ausgeschaltet.

Auf der rechten Gehäuseseite platzierten die Designer dann die beiden Lautstärketasten sowie den Auslöser für die Kamera. Ein Blackberry mit einer Kamera? Sakrileg?! ...

Alle Tasten sind leichtgängig und liefern eine gute Rückkopplung. Wie beim Nokia E61(i) befindet sich über dem Display eine LED, die eingehende Nachrichten oder z.B. den Zustand des Bluetooth signalisiert. Im Standbymodus hat der Nutzer so zudem die Gewissheit, dass sein Curve überhaupt noch "lebt". Das mitunter nervige grüne Blinken lässt sich selbstverständlich auch abschalten. Man(n) will in einem Meeting ja nicht unnötig auffallen, oder?

Display

Ein 240 x 320 Pixel umfassendes TFT-Display mit 2,5 Zoll Displaydiagonalen bei 65.000 Farben wurde dem Curve mit auf den Weg gegeben. Beim Display wurde von RIM zum Schutz vor Kratzern tief ins Gehäuse eingelassen. Die Qualität des Display ist ausreichend, gegen den aktuellen Platzhirsch Apple iPhone gewinnt es freilich keinen Blumentopf. Im Vergleich zu anderen aktuellen Smartphones lässt es sich aufgrund der fehlenden transflektiven bei einfallendem Sonnenlicht nur eingeschränkt ablesen. Dafür kann die hohe Leuchtkraft aber entschädigen. Diese wird durch einen Sensor über dem Display reguliert.

Menü/Funktionen


Video des Blackberry Menü - Teil 1


Video des Blackberry Menü - Teil 1

Wer erstmalig einen Blackberry sein Eigen nennt, wird aufgrund der Vielzahl an Menüpunkten erschlagen. Nicht weniger als 20 Menüsymbole nennt der Curve sein eigen. Eine Symbolbeschriftung, wie sie z.B. bei Nokias Serie 60 üblich ist, fehlt bei Blackberrys Betriebsystemen gänzlich. Dafür kann die Reihenfolge der Menüeinträge aber nach eigenem Gusto verändert werden. Die Einstellungsmöglichkeiten des Curve sind sowohl zahlreich, als für den Laien auch unverständlich. Lassen sich Display und Browser noch recht einfach und verständlich konfigurieren, so hört dies bei den Sicherheitseinstellungrn wie WTLS, Firewall und Zertifikatsspeicher gleich auf. Hier sollte nur der Fachmann Einstellungen vornehmen.

Curve Curve

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Das Thema Sicherheit wird bei RIM sehr groß geschrieben. Lassen sich doch sämtliche Daten im Curve sowie auf der Speicherkarte verschlüsseln. Ebenso kann das Gerät durch ein Gerätekennwort geschützt werden. Dessen mehrmalige Falscheingabe auf Wunsch zur Löschung sämtlicher Daten führen kann. Eine extrem nützliche Eigenschaft, die man bei anderen Smartphones meist nur durch die Anschaffung teurer Spezialsoftware erreichen kann.

Aktive Standby

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Auch der Blackberry Curve verfügt über eine Art von aktiven Standby. Je nach Theme bietet dieser einen Überblick über aktuelle Ereignisse, Termine oder eingegangene Mails.

Anwendungen/Unterhaltung/Spiele

Der Curve beinhaltet eine vollständige und umfangreiche Aufgaben- und Terminverwaltung. Der integrierte Kalender bietet alle erdenklichen Möglichkeiten, da kann sich so manches Smartphone eine Scheibe von abschneiden. Der gestresste Manager kann sich seine anstehenden Meetings in einer Tages-, Wochen- oder Monatsansicht anzeigen lassen. Ebenso bietet der Curve eine bequeme Tagesplanungsansicht. Termine werden durch kleine Punkte bzw. Balken im Kalender markiert.

Serientermine sind ebenso möglich, wie ganztägige Ereignisse. In der Tagesplanungsansicht werden alle Termine in chronologischer Reihenfolge darstellt. Aufgaben werden leider nicht mit dem Kalender synchronisiert. Auch hier lassen sich aber Serienaufgaben eingeben. Auch in den Kontakten hinterlegte Geburtstage werden nicht automatisch in den Kalender übernommen. Hierbei handelt sich es aber um eine allgemeine Smartphonekrankheit.

Curve Curve

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Kontakte lassen sich nach Vor-, Nach- oder Firmennamen sortieren und in "Privat" oder "geschäftlich" einteilen. Ein Eintrag kann hierbei mehrere Telefonnummern, Post-, Email- und Webadressen enthalten. Selbst persönliche Anruferbilder und Klingeltöne lassen sich zuweisen.

Der erweiterte Multimedia Player spielt sowohl MP3, als auch Videos ab. Wobei alle Audio- und Videodateien vor dem Abspielen per USB oder Bluetoothauf das Smartphone übertragen werden müssen.

Der Curve bietet zudem eine Unterstützung für BB Maps. Hierbei werden Straßenkarten über GPRS oder EDGE auf den Blackberry übertragen. So lassen sich Routen bequem online planen und anzeigen. Natürlich darf auch der Blackberry Messenger, mit dem sich Textnachrichten mit anderen Nutzern des Dienstes austauschen lassen, nicht fehlen. Ein Taschenrechner, der die Grundrechenarten samt Prozentrechnung beherrscht, eine Notizfunktion und ein Wecker runden den Funktionsumfang des Curve ab. Für die Spielernatur unter den Managern ist selbst eine Partie Blockbreaker möglich.

Curve Curve

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Praktischerweise lässt sich der Blackberry - ebenso wie die Serie 60 Konkurrenz von Nokia - mit Drittanbietersoftware erweitern.

Klang

Die Lautstärke des Lautsprechers reicht als MP3-Playerersatz aus, übersteuert auch bei hoher Lautstärke nicht. Während eines Gespräches versteht man den Gegenüber klar und deutlich. Die Sprach- und Empfangsqualität ist sehr gut, und liegt subjektiv über der von Nokias aktuellen Smartphones.

Konnektivität/Internet/E-Mail





Video Webbrowser Blackberry Curve

Der Blackberry Curve bietet von Hause aus Quadband (GSM 850/900/1800/1900-Netze) sowie eine Unterstützung für EDGE. UMTS nutzt er leider nicht. Auch WLAN wird vom Curve nicht unterstützt. Aber selbst eine GPRS/EDGE Verbindung reicht für annähernd schnelles surfen schon aus. Was ist hierbei das Geheimnis des Blackberry? Warum sind andere Geräte bei GPRS Verbindungen oft deutlich langsamer? Nun, die Firma RIM nutzt bei ihren Blackberrys eine spezielle Art der Komprimierung.. Daten werden also vor Auslieferung direkt in das passende Format konvertiert, ähnlich wie es bei Operas Mini Browser funktioniert. So reicht selbst eine eher langsame GPRS Verbindung noch aus.

Der integrierte Browser unterstützt dabei alle gängigen Standards (HTML, XHTML, WAP). HTML Seiten werden aber selten so angezeigt, wie man es vom Desktop her kennt. Aufgerufene Seiten speichert der Browser in einer Verlaufsübersicht. Selbst RSS-Feed werden unterstützt. So bekommt man schnell und einfach eine Übersicht der aktuellen Neuerungen auf seinen Lieblingswebseiten. Der jeweilige Aktualisierungsintervall kann der Curve Nutzer selbst bestimmen. Webseiten lassen sich nach bestimmten Begriffen durchsuchen und der Browser bietet zudem eine Miniübersicht der jeweiligen Webseite. Ähnlich, wie es der Browser von Nokias neuen Smartphones auch bietet.

Wenn auch der Browser nicht unbedingt die Stärke des Blackberry ist, für E-Mails ist er wie geschaffen. Blackberrys waren schon immer dafür bekannt, E-Mails in Echtzeit (per Push) zu empfangen. Zu diesem Zweck erstellt man (zumindest bei meinem T-Mobile Testgerät) mittels des vorinstallierten Einrichtungsassistenten einen Benutzernamen und Passwort und ist dann unter unter der MX-Domäne instantemail.t-mobile.de zum Echtzeit-Empfang von E-Mails bereit. Natürlich lassen sich auch bestehende Postfächer anderer Anbieter mit einbinden. Per Blackberry Enterprise Server ist das kein Problem. E-Mails aus anderen Postfächern werden hier gesammelt und dann ich Echtzeit an den Blackberry übertragen. Der Eingang von Nachrichten wird dann durch die LED über dem Display signalisiert. Technisch gesehen handelt es sich beim E-Mail Klienten des Blackberry um eine IMAP Lösung. Der E-Mail Server wird sozusagen nur ferngesteuert. Eine bessere und schnellere Lösung gibt es in meinen Augen nicht. Leider (oder Gott sei Dank) werden E-Mails nicht im HTML Format dargestellt. Manchmal ist dies der Übersichtlichkeit eher abträglich, dem Übertragsvolumen und damit dem Geldbeutel steht es aber gut zu Gesicht.

Für einen reibungslosen Austausch mit der Außenwelt hat RIM seiner neusten Schöpfung Bluetooth samt A2DP (Stereo Audio über Bluetooth) und AVRCP (Audio Video Remote Control) mit auf den Weg gegeben. Das nicht unwichtige Bluetooth SAP fehlt leider. So kann die Brombeere nicht über die Kfz-Freisprechanlage auf die SIM-Kontakte des Telefons zugreifen. Dafür klappt aber die Synchronisation der Kontakt- sowie Kalenderdaten, Aufgaben und Notizen mittels der Blackberry Desktop Software. Nahezu alle gängigen Programme (Lotus, MS Outlook (Express), Novell GroupWise) werden unterstützt.

Kamera

Die integrierte 2-Megapixel-Kamera mit ihrem Digitalzoom ermöglicht eine maximale Bildauflösung von 1600 x 1200 Pixel. Ein Autofokus wird nicht angeboten. Die Qualität der Bilder ist soweit noch gut. Sie leistet sich aber leichte Farbschwächen sowie eine gewisse Tendenz zur Randunschärfe. Insgesamt sind die Bilder der Kamera bei wenig Licht etwas zu dunkel. Diverse Farbeeffekte sowie Einstellungsmöglichkeiten bei Qualität und Weißabgleich lassen den Nutzer Einfluss auf die Bilder nehmen. Videos können allerdings nicht aufgezeichnet werden.

Curve Curve

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Kamerabilder gibt es hier.

Themen/Wallpaper/Klingeltöne

Curve

Der Curve von T-Mobile verfügt über 3 Standardthemen sowie die T-Mobile Version. Personalisieren mit eigenen Themen ist ebenso möglich. Hierzu bieten Seiten, wie Pinstack.com eine breite Auswahl an.

Akkulaufzeit

Blackberry sind u.a. auch für ihre lange Ausdauer bekannt. Macht der Curve aufgrund seiner erweiterten Multimediafähigkeiten da einen Ausnahme? Nein. Durch seine intelligente Stromspartechnologie (sensorgesteuerte Hintergrundbeleuchtung), dem Verzicht auf WLAN & UMTS kommt der Curve bei moderater Nutzung auf eine Laufzeit von etwa 5-6 Tagen. Selbst im stressigen E-Mail-Push Einsatz schafft er locker 1-2 Messetage. Diese Laufzeit müssen andere Smartphones dem Curve erst einmal nachmachen.

Fazit

Der Curve schafft den Spagat zwischen den Business- und Multimediaansprüchen seiner Nutzer. Die Push-Mail-Funktion, seine exzellenten Telefon- und Messaging-Funktionen sowie seine sehr gute Empfangs- und Sprachqualität, gepaart mit langen Akkulaufzeiten, können überzeugen. Die qualitativ gute 2 Megapixelkamera und der erweiterte Multimedia Player für MP3 und Videos können überzeugen und sind nicht nur ein Zugeständnis. Unverständlicherwiese kann man mit ihm keine Videos aufzeichnen. Gleichwohl ist der Curve keine Multimediamaschine, wie z. B. das Nokia N95. Aber das braucht er auch nicht zu sein. Deutlich stabiler und solider ist er auf jeden Fall. In meinen Augen ist der Curve seinen Preis von aktuell etwa 350 € wert. Wer also ein echtes Arbeitstier sucht, ab und an auch mal ein Bildchen schießt und zur Entspannung Musik hört, kann bedenkenlos zum Curve greifen.





  

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