Veröffentlicht von Dirk Schuetzner am 03.02.2010, 08:02 Punkte: (7 von 10) Hits: 9967 Sprache: german
Testbericht HTC Tattoo von mobile-reviews.de
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Revision: 03.02.2010
Mit dem Tattoo halte ich wieder ein von HTC gefertigtes Smartphone auf der Basis von Android™ in den Händen. Das Tattoo ist als Einsteigermodell zunächst einmal günstig zu haben, bietet dafür aber technisch betrachtet nur Hausmannkost. Der Touchscreen ist lediglich 2,8 Zoll groß und löst nur mit 240× 320 Pixel auf. Das gesamte Smartphone besteht aus Kunststoff, die Cover sind aber wechselbar und sogar personalisierbar. Neben HSDPA und WLAN sowie Bluetooth kann das Tattoo auch mit einem GPS-Empfänger aufwarten. Eine mäßige 3-Megapixel-Kamera macht passable Bilder. Erfreulicherweise hat wieder eine 3,5-Millimeter-Buchse für Standardkopfhörer den Weg ins Gehäuse gefunden. Ob sich der kauf des Tattoo wirklich lohnt, oder ob man lieber etwas mehr Geld für ein anderes Smartphone ausgeben sollte, will ich Ihnen in meinem Testbericht zeigen.
Mit seinen Abmessungen von knapp 106 x 55 x 14 mm ist es ähnlich dünn wie das HTC Magic (113 x 55 x 14 mm) und sogar ein Stück kürzer. Das ist bei dem kleinen Display allerdings auch kein Wunder. Beim HTC Tattoo kommt nur eine virtuelle Tasttatur zum Einsatz. Android™ wurde auf dem neuen Smartphone nur in der mittlerweile veralteten Version 1.6 installiert. Der graue Kunststoff des Gehäuses macht keinen einen sehr wertigen Eindruck. Wer mag, kann sich über die Webseite von HTC mit Covern nach seinem eigenen Gusto versorgen, zu einem Preis von knapp 16 Euro das Stück. Mit seinen 113 Gramm Gewicht hat es im Vergleich zum Magic sogar abgenommen. Das Tattoo wurde optisch leicht an das Magic angelehnt, alle Kanten wurden leicht abgerundet.
Die Rückseite des Tattoo besteht überwiegend aus einem billig anmutenden Akkudeckel, der bei meinem Testgerät auch noch schlecht eingepasst war. Dem Gerät selber ist schon unter etwas größerem ein deutlich vernehmbares Knarzen zu entlocken. Beim Touch2 hat HTC bessere Arbeit geleistet. Die Verarbeitung bekommt daher bestenfalls ein "ausreichend"
Die Kameraoptik auf der Rückseite wirkt zwar recht gut gegen Kratzer geschützt, ist Staubpartikeln aber dennoch schutzlos ausgeliefert. Der Touchscreen setzt alle Eingabeaufforderungen sehr zügig um. Eine Gedenksekunde genehmigt sich das Betriebsystem nicht mehr. Subjektiv reagiert es genauso schnell wie beim HTC Hero. Die CPU mit den 528 Mhz macht beim Tattoo also im Gegensatz zum T-Mobile G1 einen spritzigen Eindruck.
Android™ wurde für eine "Einhand-Bedienung" ausgelegt und das klappt auch beim Tattoo ganz gut. Der resistiv funktionierende Touchscreen erlaubt eine Bedienung mit dem Fingernagel oder Stylus. Der Tattoo ist nicht in der Lage Multi-Touch zu nutzen. Alle Eingaben auf dem Touchscreen werden auf Wunsch durch einen Ton bzw. durch Vibration bestätigt. Wer das nicht mag, der kann das mitunter etwas nervige Feedback aber abschalten.
Mangels vollwertiger Tastatur ist man auf das - auch im Quermodus verfügbare - virtuelle Pendant angewiesen. Die Bedienung geht dann ähnlich flott von der Hand, wie auf dem Apple iPhone oder dem LG Arena.
Vielschreiber werden mit der Bildschirmtastatur trotzdem nicht unbendigt viel Spaß haben, dafür fehlt einfach das haptische Feedback. Für ein paar SMS oder E-Mails zwischendurch reicht sie aber vollkommen aus. Es erfordert zunächst ein wenig Übung , auch ohne direktes taktiles Feedback auszukommen.
Der HTC-typische ext-USB-Anschluss befindet sich beim Tattoo an der Unterseite des Mobiltelefons. Auf der Gehäuseoberseite befindet sich der 3,5 mm Klinkenanschluss, so kann man sein Tattoo gleichzeitig laden, während im Hintergrund das FM-Radio bzw. der Musicplayer seinen Dienst verrichtet.
Will man die Speicherkarte wechseln, das Tattoo kennt auch die neuen 32 GB Micro-SDHC-Karten – so muss man leider erst den Akkudeckel entfernen. Der Laut-/Leiseregler wurde direkt in das Gehäuse eingelassen und befindet sich auch der linken Seite. Einen Auslöser für die Kamera sucht man beim Tattoo wieder vergebens. Spontane Schnappschüsse sind so kaum möglich.
Unterhalb des Touchscreens befinden sich insgesamt sechs Tasten und eine 4-Wege Navigationssteuerung mit Enter-Taste in Kreisform. Drückt man die mit einem Häuschen gekennzeichnete Taste, so erscheint der Standby-Screen. Die "MENU" beschriftete Taste ist nahezu selbst erklärend und öffnet beim Tattoo die Programmübersicht, sprich das von Android-basierten Smartphones bekannte Programmmenü in Listenform. Der mit einem Pfeil gekennzeichnete Drücker löscht Eingaben, bzw. springt einen Menüeintrag zurück. Daneben befindet sich eine spezielle Suchen-Taste. Drückt man diese so erscheint ein Feld, indem man einen Suchbegriffs eingeben kann, der dann direkt übe Google ausgewertet wird. Die beiden Hörertasten zur Gesprächssteuerung befinden sich links, respektive rechts neben der zentral angeordneten 4-Wege Navigationssteuerung.
Betrachtet man das Tattoo nur von der technischen Seite her, so stellt man schnell fest, dass die verbaute Hardware nicht unbedingt als "aufregend" bezeichnet werden kann. Der nur 2,8-Zoll kleine Touchscreen löst nämlich nur mit 240 x 320 Pixel auf. Mit seinen knapp 65.00 möglichen Farbkombinationen gehört das Display auch nicht zu den farbenprächtigsten Vertretern seiner Art. Immerhin reagiert der resistiv ausgelegte Touchscreen sehr zügig auf Eingaben und kann dafür auch mit Handschuhen bedient werden. Im Winter ist das keine schlechte Eigenschaft.
Das verbaute Kameraobjektiv bringt nur knapp 3,2 Megapixel aufs Papier. Einen Autofokus oder eine Beleuchtungsmöglichkeit sucht man vergebens. Die Kamera ist in der Lage, Videos mit einer maximalen Auflösung von 352 x 288 Pixel aufzunehmen. Neben einem Musicplayer bietet der Tattoo natürlich auch einen Videoplayer. Dank Quad-Band (GSM 850/900/1800/1900) mit Unterstützung für den UMTS Datendienst HSDPA ist es nahezu überall auf der Welt einsetzbar. Kontakt mit der Außenwelt nimmt das HTC Tattoo sowohl über Bluetooth (2.0) samt A2DP als auch über WLAN und USB 2.0 auf.
Natürlich wurde auch der Tattoo wieder "in seinen Rechten" beschnitten, sprich ohne sogenannte "Root"-Rechte ausgeliefert. Das hat zur Folge, dass manche Programme nicht auf alle Funktionen und Dateimanager nicht auf das komplette Dateiverzeichnis zugreifen können. Da geht es den Benutzer von Android-basierten Smartphones ähnlich, wie den Apple iPhone-Jüngern ohne Jailbreak.
Lieferumfang
Zum Lieferumfang des mit knapp 240 € (Internet) recht günstigen Smartphones gehören neben einer 2 GB großen microSD-Speicherkarte auch ein wenig überzeugendes Stereo-Headset, eine Bedienungsanleitung, ein Reiseladegerät mit abnehmbaren Steckdosenadapter und ein USB-Datenkabel.
Display
Das recht helle Display löst zwar nur mit 240 x 320 Pixel auf, kann Texte, Grafiken und Videos aber in annehmbarer Qualität darstellen. Besser, als es das HTC Touch2 vermag. Die wirklich gelungenen und nahezu selbsterklärenden Icons sind immer noch ausreichend groß, so kann man das Tattoo bequem mit einer Hand bedienen. Fotos und Videos können auf dem Display sowohl im Hoch- als auch im Querformat betrachtet werden. Dank des integrierten Lagesensors dreht sich der Bildschirminhalt nämlich mit dem Tattoo. Bei direkter Sonneneinstrahlung büßt das Display seine ansonsten gute Ablesbarkeit leicht ein.
Menü/Bedienung/"Sense"
Mit Android™ will die Open Handset Alliance - hier federführend Google - einen angeblich intuitiveren Weg gefunden haben, wie man ein Smartphone bedienen kann. Das eine gute Benutzeroberfläche viel Sinn macht, zeigt nicht zuletzt Apple und LG. Die Menüoberfläche des Tattoo nennt sich "Sense" und ähnelt auf den ersten Blick dem TouchFlo der Windows Mobile Smartphones des taiwanesischen Herstellers. Das oben eingebettete Video zeigt zwar das "Sense" auf dem HTC Hero, ist aber auch für das Tattoo gültig.
Neben dem Bildschirm zum entsperren des Displays bilden sieben unterschiedlich konfigurierbare Bildschirme die Schaltzentrale. In "Fachkreisen" nennt man so was neudeutsch auch gerne "Homescreens". Wer mag, kann sie mit vielen nützlichen "Widgets" aufrüsten. Hierbei handelt es sich sowohl um kleine Helfer in Form eines Kalenders und Co, als auch um simple Verknüpfungen zu den vorinstallierten Programmen.
Neben einer hübsch animierten Wettervorhersage stehen mehrere Zeitmesser zum Beispiel in Form einer Analoguhr bzw. Digitaluhr zur Auswahl. Hinzu kommen ein Kalender, ein Twitter-Klient sowie der Musicplayer. Das Musicplayer-Widget zeigt dabei immer den aktuellen Titel sowie das Cover-Art an, kann in zwei unterschiedlichen Designs genutzt werden und erlaubt so die Steuerung der Songs.
Die Zahl der zur Verfügung stehenden Widgets ist recht groß und kann im Android™-Market noch erweitert werden. Dort findet man zum Beispiel das recht hilfreiche Battery-Widget, das einem die verbleibende Akkulaufzeit in Prozent anzeigt.
Neben den aktiven Widgets kann man sich auch passive Verknüpfungen, z. B. zu den Kontakten, zum Browser oder den installierten Programmen erstellen. Wie das funktioniert? Einfach das entsprechende Icon oder Widget per drag & drop auf einen beliebigen Startbildschirm ziehen, loslassen und fertig. Auch Verknüpfungen zu Playlisten und Lesezeichen kann man sich so einrichten. HTC nutz auch beim Tattoo die kontaktbezogene Informationsaufbereitung. Damit muss der User nicht mehr zwischen Messaging und Telefon hin und her wechseln. Die entsprechende Kontaktkarte wurde um ein multifunktionales Register erweitert. So kann man direkt aus den Kontakten heraus Nachrichten senden. Andersherum werden empfangene Nachrichten wie in einem Chat dem entsprechenden Kontakt zugeordnet.
Das eigentliche Hauptmenü versteckt sich hinter dem kleinen Pfeilsymbol auf der unteren linken Seite. Man kann es durch einen simplen Fingerstreich von unten nach oben „aufziehen“. Das Hauptmenü listet dann alle installierten Anwendungen und Spiele in alphabetischer Reihenfolge auf. Wer allerdings - wie ich - im Laufe der Zeit viele Programme installiert, dem geht durch diese Listenansicht schnell die Übersicht verloren. Ähnliche Erfahrung macht man aber auch mit den zahlreichen Bildschirmen auf dem Apple iPhone. Die sieben Homescreens gafellane mir deutlich besser, als die von Google präferierte Listenansicht. So macht die "Sense"-Oberfläche Sinn.
Ähnlich wie bei der mit Symbian betriebenen E-Serie von Nokia kann man auf dem HTC Tattoo auch verschiedene "Themen" nutzen. Bei HTC nennt man sie aber "Szenen". Neben Arbeit, Spielen und Sozial gibt es auch noch die HTC-Variante. Selbst eigene Anordnungen und Hintergründe sind kein Problem. Wechselt man in eine andere Szene, so ändern sich die genutzten Widgets sowie Hintergrundbilder. Sehr hübsch anzusehen.
Anwendungen
Die Anzahl der Programme beim Tattoo ist sehr übersichtlich, das liegt in erster Linie aber an der "System-Philosophie" von Android, wenn man sie so nennen mag. Frei nach dem Motto: "Wir liefern das Grundgerüst, das schmückende Beiwerk (die Programme) liefern dann freie Programmier". Die vorinstallierten Anwendungen reichen trotzdem aus, um den täglichen Bedarf abzudecken. Neben den üblichen PIM-Anwendungen, wie E-Mail, Kalender und Kontaktverwaltung gibt es auch einen Taschenrechner, eine Uhr mit Weckfunktion und sogar einen Twitter-Klienten namens "Piep".
Weitere Programme, wie eine vernünftige Aufgaben- oder Notizverwaltung kann man sich im Android™-Market herunter laden. Hier gibt es neben echten Perlen, wie zum Beispiel einem kostenlosen Programm für zeitgesteuerte Profile, auch eine Menge weniger hilfreicher Software. Aber der AppStore von Apple macht es auch nicht viel besser, ist allerdings in meinen Augen mit besseren Programmen ausgestattet.
Im Market werden Anwendungen vorab grundsätzlich nicht durch Google übergeprüft, dies bleibt dann dem Nutzer überlassen. Eine spezielle Meldefunktion weist Google auf sogenannte "Malware" hin. Das hat den Vorteil, dass eine Anwendung innerhalb von 6-8 Stunden im Market verfügbar ist.
Anrufe signalisiert das Tattoo sowohl durch Vibration, als auch durch einen zusätzlichen Klingelton oder aber eben nur mit dem Klingelton. Die Systemsounds sind zwar änderbar, allerdings nicht wirklich intuitiv. Man muss sie hierzu in bestimmte Verzeichnisse auf der Speicherkarte kopieren.
Die Kontaktverwaltung wurde optisch in die Sense-Oberfläche integriert. Die Kontakte werden alphabetisch sortiert angezeigt, wer mag auch mit den Kontakten zugewiesenen Fotos. Über eine Leiste am unteren Displayrand kann man Kontakte Favoriten zuordnen bzw. in Anrufergruppen zusammenfassen. Die notwendigen Kontaktdetails kann der User dann nachträglich hinzufügen. Dazu gehören jetzt auch Verknüpfungen zu den beliebten "Social Networks" wie Facebook oder dem Bilderdienst Flickr. Zusätzlich sind zahlreiche Informationsdetails wie Festnetz und Mobilnummer, E-Mail, Anruferbild und mehr möglich. So zum Beispiel auch Notizen zu einem Kontakt. Im Telefonbuch findet man auch das Telefonprotokoll, in dem eingehende und ausgehende Anrufe verzeichnet werden. Spezielle Felder für Geburtstage und Jahrestage sind zwar vorgesehen, werden dann aber nicht im Kalender angezeigt.
Auf Wunsch wird auch ein Bild des Kontaktes abgespeichert und bei einem Anruf angezeigt. Kontakte lassen sich durch Eingabe der entsprechenden Buchstaben durchsuchen. Die Suche kann auch auf die SIM-Kontakte begrenzt werden.
Der Kalender bietet neben der üblichen Tagesagenda auch eine Wochen- und Monatsansicht und informiert so auf einen Blick über anstehende Termine. Selbst eine Übersicht aller Termine wird angeboten.
Wer regelmäßig den gleichen Termin wahrnehmen muss, für den hat HTC auch eine Wiederholungsfunktion vorgesehen. Terminüberschneidungen werden bei der Eingabe aber nicht angemahnt. In der Wochen- und Monatsübersicht wird die Dauer eines Termins durch einen entsprechend langen Balken dargestellt. Wer seinen Kalender bei Google pflegt, kann auf dem Tattoo auch mehrere davon verwalten. Über eine Sprachwahl oder gar Sprachsteuerung verfügt das Smartphone aber nicht. Auch mit Java kann es ab Werk nichts anfangen, im Android™-Market gibt es aber einen passenden Interpreter namens JAVA/J2ME Runner.
Navigation/GPS
Das Tattoo ist mit einer internen GPS-Antenne ausgestattet. In Verbindung mit einem passenden Navigationsprogramm kann es daher auch zur Navigation genutzt werden. Das macht auf dem 2,8-Zoll-Display aber weder kaum Sinn, neben Google Maps kommt nämlich keine weitere Software zum Vorschein.
Google Maps ermittelt den aktuellen Standort zunächst über eine Celltower-Triangulation und im zweiten Schritt dann über den GPS-Empfänger, danach aktualisiert sich die Position während der Bewegung. Das Kartenmaterial wird dann direkt aus dem Internet auf den Tattoo übertragen. Wer keinen günstigen Datentarif sein Eigen nennt sollte daher aufpassen. Eine Art von Fußgängernavigation in Form einer Online-Stadtkarte ist somit problemlos und relativ genau möglich. Das verursacht neben dem reinen Datentransfer keine weiteren Kosten. Auch der Satfix dauert nur ein paar Sekunden und klappt teilweise sogra in Gebäuden.
Musik
Der
Musicplayer des Tattoo ist optisch zwar recht schlicht ausgefallen, dafür aber gut bedienbar. Auf dem Display stellt der Player in der Mitte ein recht großes "Album Art" dar. Der Trackname sowie der Interpret werden dann direkt darunter angezeigt. Die drei Tasten zur Player-Steuerung befinden sich am unteren Bildschirmrand. Um die mögliche Soundqualität des Tattoo
testen zu können, habe ich neben meinem Referenzkopfhörer, dem iGrado von Grado, auch noch den weit verbreiteten und überaus günstigen Koss
Porta Pro, einen Sennheiser CX300 sowie den EP 630 von Creative Labs eingesetzt.
iGrado von Grado
(C) Grado
Koss Porta Pro
(C) Koss
Sennheiser CX300
(C) Sennheiser
Creative Labs EP630
(C) Creative Labs
Der iGrado fordert ein sehr hohes Eingangssignal um in Wallung zum kommen. Die maximale Lautstärke reicht beim Tattoo in meinen Ohren leider nicht aus, das Ausgangssignal fällt gerade im Bassbereich recht früh ab, die Höhen werden recht stark beschnitten, mit so einer Qualität ist der doch recht klobige iGrado absolut unterfordert.
Der kleine Koss
Porta Pro spielt mit dem Tattoo deutlich besser zusammen, kappt zugunsten der Bassbetonung die Höhen aber etwas früh. Der Sennheiser CX300
ist genauso so wie der Creative
Labs EP 630 für einen InEar eine gute Alternative. So liefert sogar das Tattoo genügend Bass, auch wenn das noch leicht zu Lasten der Höhen geht. magels eines Equalizers kann man dieses Manko auch nicht ausgleichen.
Grundsätzlich könnte man über das HTC Tattoo seine Music auch über
A2DP und AVRCP anhören. Ein guter Stereo-Bluetooth-Kopfhörer, wie zum Beispiel dem Motorola S9 macht das schon guten Sound, killt aber den Akku in wenigen Stunden. Insgesamt betrachtet klingt das Tattoo nicht annähernd so klar und bassstark wie das Nokia 5800 XM oder BeatDJ. Mehr als ein "befriedigend" ist da nicht drin.
Aus den Bereichen
Klassik, Electronic, Pop kamen - neben vielen anderen - folgende Alben während des Test
zu Einsatz:.
Sarah Brightman
(Symphony)
Assemblage23
(Storm)
OST Blade2
(Mos Def & Massive Attack - I Against I)
The Corrs
(Talk on Corners)
Im Bereich "Trance" mit seinen elektronischen Sounds und Filtersweeps kam Armin van Buurens wöchentlicher Podcast "A State of Trance" zum Einsatz. Der Song "I against I" von Mos Def aus dem Soundtrack zu "Blade 2" hat eine starke Bassbetonung und ist
daher für einen Test in meinen Ohren gut geeignet. Ebenso wie der Song "Damn Those Eyes" von Kane, der einen sehr gute Dynamik aufweist. Sämtliche MP3 sind eigenhändig mit mindestens 256 kbit unter Zuhilfenahme der Software "LAME" codiert worden.
Der Player bietet zur Sortierung der Songs eine Vielzahl an Kriterien. So kann man seine MP3-Sammlung u.a. nach Interpreten, Alben, Komponisten oder Genres sortieren.
Durch die Multitasking-Unterstützung kann man den MP3-Player auch im Hintergrund weiter laufen lassen und nebenher noch andere
Aufgaben erledigen. Wer es abwechslungsreicher mag,
spielt seine Songs in zufälliger Reihenfolge ab. Ohrwürmer kann man über die
Wiederholfunktion in einer Endlosschleife genießen.
Das Tattoo bietet ein FM-Radio mit RDS-Funktion an. Bei ausreichend Empfang stehen so zahlreiche Sender zur Verfügung, die man auch abspeichern kann. Dank RDS zeigt das Radio auch den aktuellen Sendernamen an. Zum Betrieb muss zwingend das Headset angeschlossen werden.
Videos machen im Quermodus auf dem 2,8-Zoll-Display zwar keinen enormen Spaß, werden aber flüssig wieder gegeben und zwar auch dann, wenn sie mit einer höheren Auflösung als 320 x 240 Pixel aufgenommen wurden. Vorausgesetzt sie liegen im MP4-Format vor.
Klang
Obwohl der Tattoo nur über einen Lautsprecher verfügt, ist die maximale Lautstärke des Musicplayers noch ausreichend, um seinen Arbeitsplatz (sofern dieser nicht gerade auf einer Baustelle liegt) mit Musik zu versorgen. Gespräche über die eingebaute Freisprecheinrichtung sind akustisch kein Problem. Während eines Gesprächs werden die Stimmen etwas dumpf und gelegentlich auch mit einem Echo wieder gegeben, als störend wurde das von mir aber nicht empfunden. Ein Hintergrundrauschen ist zwar wahrnehmbar, beeinflusst die Qualität der Gesprächsübertragung aber nur wenig. Die zahlreichen Klingel- und Signaltöne sind eher dezent. Wer sie nicht mag, kann zumindest die werksseitigen Klingeltöne durch eigene MP3 ersetzen.
Connectivity (Internet/E-Mail/GPS)
Der Tattoo wird mit Quad-Band (GSM 850/900/1800/1900-Netze) und Unterstützung für UMTS samt HSDPA, HSUPA und WLAN ausgeliefert. Der integrierte Browser unterstützt dabei alle gängigen Standards (HTML, XHTML, WAP) und kann HTML Seiten so anzeigen, wie man sie vom Desktop her kennt.
Von der Geschwindigkeit her kann der Browser des Tattoo dem iPhone aber nicht wirklich das Wasser reichen. Obwohl die Technologie dahinter ähnlich ist, rendert das iPhone die Webseiten einfach schnell. Da kein MultiTouch zum Einsatz kommt, kann man Webseiten auch nur mit Hilfe einer virtuellen Lupe vergrößern oder eben verkleinern.
Surft man auf die Desktop-Version von YouTube - hierzu gibt es eine eigene Anwendung - so kann man sich auch an den zahllosen Online-Videos erfreuen. Natürlich dreht sich der Browserinhalt automatisch mit dem Tattoo mit.
Wer kein Microsoft Exchange Server sein Eigen nennt, wird aufatmen. Wer nämlich die teils kostenlosen Dienste der anderen Anbietern nutzen möchte, der kann seine E-Mails manuelle oder automatisch in fest vorgegeben Zeiträumen über IMAP oder POP einsammeln. Anhänger von Microsoft Outlook werden dank HTC Sync auf dem PC nun Anschluss an die heimische Kontaktdatenbank bzw. den Kalender finden. Wer hingegen auf die Anbindung an einen Micro Exchange Server angewiesen ist, der schaut in die Röhre und muss sich eine kostenpflichtige Lösung aus dem Android Market besorgen. Der Sync mit Google klappt hingegen recht gut.
Freunde "ungepflegter" Kommunikation nutzen "Google Talk" als Instant Messager. Durch die Bildschirmtastatur ist der Tattoo aber nicht unbedingt für die schnelle Kommunikation gerüstet.
Kamera/Video
Nun ja, die Designer und Technisker von HTC sind nicht dafür bekannt, qualitativ aufregende oder gute Kameras in ihre Smartphones zu verbauen. Zwar hat HTC dazu gelernt und bietet nun die üblichen Einstellungsmöglichkeiten, wie Weißabgleich, Messmodus und Effekte in diesem Bereich an.
Qualitativ kann die Kamera aber kaum überzeugen. Das lichtschwache Objektiv bringt schließlich auch nur 3,2-Megapixel auf den Chip. Wem das noch zuviel erscheint, der kann die eh schon recht detailarmen Bilder noch weiter reduzieren indem er eine Auflösung von 1280 x 960 oder 640 x 480 Pixel wählt.
Neben der eher unsinnigen, weil einflussfreien Einstellungsmöglichkeit für den ISO-Wert kann man die Qualität der Aufnahmen in mehreren Stufen zwischen "Einfach" und "Hoch" variieren. Videos kann man mit dem Tattoo nur in maximaler Auflösung von 352 x 288 Pixel drehen.
(Für Bilder in höherer Auflösung einfach anklicken)
Die Fotoqualität fällt bei gutem Wetter deutlich besser aus, als zu dieser schneebehangenen Jahreszeit möglich. Die Bildschärfe lässt deutlich zu wünschen übrig, die Bilder wirkten "milchig". Insgesamt hat die Kamerasoftware definitiv Probleme mit der richtigen Belichtung, die Fotos werden zu dunkel wieder gegeben, so dass manche Details im Schatten verschwinden. Manche Farben werden außerdem etwas zu kräftig abgebildet, der Himmel weist teilweise einen Rotstich auf.
Dank des integrierten GPS-Empfängers werden die Bilder auf Wunsch mit den passenden Längen- und Breitengraden versehen, ein Hoch auf das "Geotagging". Mit dem Programm Footprints lässt sich später die Entstehungsreihenfolge der Bilder nachvollziehen. Für Schnappschüsse eignet sich das Tattoo nur bedingt, denn es fehlt eine eigene Taste für den Kameraauslöser. Die Kamera selber ist nach knapp 2 Sekunden einsatzbereit. Da kein Autofokus zum Einsatz kommt, ist die Aufnahme auch in knapp 1 Sekunde im Kasten. Bilder im dunkeln sind nahezu unmöglich, es fehlt schlicht die Beleuchtungsmöglichkeit.
Akkulaufzeit
Im normalen Betrieb (30 Minuten telefonieren, eine handvoll Push-Mails,
90 Minuten MP3, ein paar Fotos) hält der Akku mit seinen 1100 mAh knapp 12 Stunden. Schaltet man das UMTS ab, verlängert sich die Akkulaufzeit bei selber Nutzung auf etwa 14 Stunden. Ein dauerhaft aktiviertes GPS/WLAN hat auf die Akkulaufzeit keinen Einfluss, zumindest dann nicht, wenn sich das Tattoo im Standby-Modus aufhält.
Nutz man sein Tattoo als Radio macht der Akku bei abgeschaltetem Display nach knapp 8 Stunden schlapp. Wer gerne mit seinem Tattoo durch das Internet braust, der wird den Stromerzeuger nach etwa 5 Stunden (per WLAN) nachladen müssen. Intensivnutzer mit ausgeprägter Telefonitis werden ihr Schmuckstück mindest einmal am Tag laden müssen. Normalnutzer begleitet der Tattoo etwa zwei Arbeitstage, bevor ihm der Saft ausgeht. Das ist nicht wirklich viel, aber immerhin etwas besser als noch beim T-Mobile G1.
Videotest
Fazit
Die Benutzeroberfläche "Sense" ermöglicht schon nach kurzer Eingewöhnung eine sichere und flotte Bedienung. Die virtuelle QWERTZ-Tastatur wird Vielschreiber zwar nicht umwerfen, für gelegentliche SMS oder E-Mails ist sie aber völlig ausreichend. Dank des Android™ Market hat man Zugriff auf eine nahezu unerschöpfliche Zahl an Spielen und Programmen. Das eingebaute GPS kann neben Geotagging auch als Navigationshilfe eingesetzt werden. Die Qualität der 3-Megapixel-Kamera reicht allerdings nur für Schnappschüsse aus, Das Display ist ein wenig klein geraten und auch die Displayauflösung ist mit 240 x 320 Pixel nicht mehr zeitgemäß. Da das Smartphone aber nur 270 Euro kostet, könnte es gerade für Einsteiger, die ein Smartphone mit guter Terminverwaltung suchen, eine Alternative zum teureren BlackBerry oder
der E-Serie von Nokia sein.