Der ein oder andere wird es wissen, HTC bringt aktuell in mehr oder minder rasender Geschwindigkeit PDAs bzw. Smartphones auf den Markt. Mit dem Touch HD liefert HTC aber nicht nur einen weiteren PDA mit Windows Mobile aus. Nein, diesmal soll er sogar das ipHone übertrumpfen. Exklusiv über den Mobilfunkanbieter O2 bzw. freie Händler ist es ab sofort verfügbar. Dabei verzichtet das neue HD - genau wie Apples iPhone - auf eine
vollwertige QWERTZ-Tastatur und lässt sich so nur über den riesigen 3,8 Zoll großen Touchscreen bedienen. Dieser erfreut die Augen mit einer Auflösung
von 800 x 480 Pixel bei 65.536 Farben. Da müssen andere Geräte neidisch passen. Dank GSM-Quadband ist man praktisch auf der ganzen Welt zu
Hause und über den UMTS Datenturbo HSDPA mit seiner theoretischen
Übertragungsrate von 7,2 Mbit/s surft es sich angenehm schnell. Uploads
gehen über HSUPA (mit bis zu 1,45 MBit/s) ebenfalls flott von der Hand.
Dank der Benutzoberfläche "TouchFlo 3D" kann man das
HD sogar fast komplett ohne Stift bedienen. Die 5-Megapixel-Kamera mit
Autofokus taugt leider nur für Schnappschüsse. Das
integrierte GPS mit Unterstützung für A-GPS sorgt unterwegs für die
Orientierung, sofern man über ein passendes Navigationsprogramm
verfügt. Wie sich der neue PDA von HTC im Vergleich zum XPERIA X1 und Apples iPhone 3G schlägt, soll Ihnen mein
Testbericht zeigen.
Design/Verarbeitung
Kommt ein X1 noch in schwarz eloxiertem bzw.
silbern gebürstetem Aluminium daher, muss der Besitzer des HD - ähnlich wie beim Apple iPhone - mit schwarzem Kunststoff vorlieb nehmen. Trotzdem liegt das HD angenehm wertig
in der Hand. Auf einer harten Unterlage
wackelt es leicht hin und her, da die rückseitige Kameraeinfassung leicht hervorsteht. Die Abmessungen von
115 x 63 x 12 mm und das Gewicht von 147 g ähneln im direkten Vergleich zum XPERIA X1 (111 x 54 x 17 mm, 158 g) und dem Apple iPhone 3G (115 x 61 x 11.6 mm, 135 g) eher dem Apple iPhone.
Die Vorderseite wird vom
großen Display dominiert, welches aber nur durch eine
Kunststoffbeschichtung geschützt wird. Ein Knarzen oder Quietschen ist dem HD
nicht zu entlocken. Die wirklich große Displayoberfläche des HD zieht
Fingerabdrücke und Fettflecke natürlich magisch an. Den aktuellen PH-Wert kann
man daher auch ohne Spiegel prüfen, für die weiblichen Nutzerinnen unter uns vielleicht sogar praktisch. Das passende
Putztüchlein sollte Mann (oder aber auch Frau) aber gleich beim Kauf mit ins Auge fassen, denn
das große und leicht spiegelnde Display wollen wir doch nicht durch
Fingerabdrücke oder andere Flecken verschandeln, oder?
Größenvergleich (Touch HD -
Apple iPhone 3G - Touch HD)
Technik
Für ein Windows Mobile Mobiltelefon
bietet das Touch HD eine optimale Ausstattungsliste.
Angetrieben wird es von Microsofts Windows Mobile® 6.1 in der
Professional Variante. Der riesige 3,8" Touchscreen des HD erfreut das verwöhnte
Auge des Betrachters mit einer Auflösung von 800 x 480 Pixeln bei
65.536 Farben. Da muss selbst das Apple iPhone seinem 3,5" Display passen. Die Bildschirmdiagonale umfasst dabei
stattliche 96,5 mm. Das sind immerhin run 26 Millimeter mehr als beim Touch
Pro. Die 3.2 MP Digitalkamera mit Autofokus und Fotolicht taugt für
Schnappschüsse in relativ guter Qualität, macht aber einen etwas
zwiespältigen Eindruck. Kein Vergleich mit anderen 3-Megapixlern aus
eigenem Hause. Durch den neuen Opera Mobile 9.5 Browser kann man - wie
vom PC gewohnt - im Internet surfen. Das vorinstallierte Microsoft
Office Mobile kann Office Dateien öffnen und solange es keine PDF oder
Powerpoint-Dateien sind, auch bearbeiten.
Kommunikationsseitig
bietet der HTC Touch HD Bluetooth 2.0 samt A2DP (Stereo Audio über
Bluetooth) und Wireless LAN (802.11g). Durch seine Quadband
GSM/GPRS/EDGE Unterstützung ist er zudem weltweit einsetzbar. Dabei
wird der Datentransfer durch UMTS mit HSDPA beschleunigt, wobei auf
Wunsch auch HSUPA für einen schnelleren Upload möglich ist. Eingaben
erfolgen über eine virtuelle Tastatur. Programme und Daten werden im
288 MB umfassenden RAM bzw. 256 MB ROM abgelegt. Der Speicher lässt
sich durch microSD-Speicherkarten erweitern. Damit das Ganze auch in
Schwung kommt, wird das HD durch eine QUALCOMM™ (MSM7200A) CPU mit 528
MHz angetrieben. Schnell genug für alle Anwendungen (inklusive
Skype). Die von mir getestete Firmwareversion des deutschen Touch HD trug die Bezeichnung
1.14.407.3. Gute Tipps&Tricks zum HD findet man hier, bei pocketpc.ch.
Lieferumfang
Das Touch HD wird in der für Geräte von HTC bekannten, schwarzen und eher schlichten Verpackung ausgeliefert. Zum Vorschein kommt
neben dem Touch HD noch ein Li-Ion Akku mit 1350 mAh, ein
Stereo-Headset mäßiger Qualität ohne 3.5 mm Mikrofonadapter für
eigene Kopfhörer. Das Netzladegerät mit USB-Daten-/Ladekabel, ähnelt der Lösung des Apple iPhone. Ein Ersatz-Stylus, diverse Kurzanleitungen
und die obligatorische CD-ROM mit Bedienungsanleitung und
Zusatzsoftware vervollständigen das Bild. Fehlt da nicht was? Nein, im Gegensatz zu anderen Hersteller verzichtet HTC auch nicht auf die Beigabe einer Speicherkarte. Sogar mit 8GB. Sehr löblich!
Haptik
Dreh- und Angelpunkt des Gerätes ist sicher das riesige 3,8" große Display. Sollten die
Fingerchen einmal zu dick sein, so lässt sich das HD auch bequem über
den mitgelieferten Stift bedienen. Dieser befindet sich in der rechten
unteren Außenseite des Gehäuses. Sollte er einmal verloren gehen brauchen Sie nicht in Panik zu verfallen!
HTC hat in der Verpackung direkt Ersatz beigelegt.
Die
zuschaltbare virtuelle Tastatur ist klein und die Tasten lassen sich
leidlich gut treffen, eine T9-Texterkennung oder mehrere Layouts wie
beim Touch Pro kann man aber nicht hinzuschalten. Auch eine Eingabe
über Gesten bzw. Handschrift ist möglich. Für wahre
Kommunikationsfreaks (SMS und E-Mail) sind echte Drücker einer
QWERTZ-Tastatur, beispielsweise vom XPERIA X1 sicher die bessere Alternative.
Das HD präsentiert sich auf der
Oberseite ohne die übliche 5-Wege-Navieinheit.
Unterhalb des riesigen Dispalys findet der Nutzer noch die
übliche "grüne" Hörertaste zur Gesprächsannahme und die "rote" Hörertaste
zum Beenden eines Gesprächs. Beiden Tasten sind beim HD allerdings
nicht farblich gekennzeichnet. Den obligatorischen Homekey
(für den Startbildschirm) und eine Löschen-Taste vervollständigt das Bild. An der oberen linken
Gehäuseseite gibt es zudem noch zwei Tasten zur Regelung der Lautstärke, auf eine spezielle Kamerataste wurde unverständlicherweise verzichtet. So sind echte
Schnappschüsse aus der Hüfte raus natürlich nicht möglich.
An der
unteren Seite befindet sich der miniUSB-Anschluss für
Lade-/Datenkabel. Auf der Oberseite dann der Ein- und Ausschalter, der
das HD aus seinem Schlafmodus wecken kann und eine 3.5 mm
Klinkenbuchse für handelsübliche Kopfhörer.
Display
Das Display kann in
Räumen bzw. bei schwächerem Lichteinfall sofort überzeugen. Grafiken und Texte
werden mit einer Auflösung von 800 x 480 Pixel und 65.536 möglichen
Farbkombinationen scharf dargestellt und sind aufgrund der Größe des Displays zudem erstklassig ablesbar. Das Display selbst ist
berührungsempfindlich, reagiert mitunter aber etwas träge aus Eingaben. Da kann das iPhone oder das XEPRIA X1 schon eher überzeugen. Bei stärkerer Sonneneinstrahlung lässt
sich das leicht spiegelnde Display zwar noch gut, aber nicht mehr optimal ablesen. Die maximale Helligkeit ist
dabei mehr als ausreichend. Sie wird auf Wunsch automatisch den Umgebungsverhältnissen
angepasst, kann aber auch manuell geregelt werden. Im Energiesparmodus
schaltet sich das Display komplett ab, sehr zur Freude des eingebauten
1500 mAh Akkus. Dieser kann so nämlich deutlich länger sein Werk als
Stromquelle verrichten. Fotos und Videos können auf dem Display sowohl
im Hoch- als auch im Querformat betrachtet werden. Da das HD über
einen Lagesensor verfügt, dreht sich der Bildschirminhalt - ähnlich
wie beim HTC Touch Pro - auch mit.
Inbetriebnahme
Nach Einbau des Akkus und einlegen der
SIM-Karte sowie Speicherkarte wird das HD durch Druck des
Ein-/Ausschalters gestartet. Der geneigte Windows Mobile 6.1 User legt
nun erst einmal eine kleine Zwangspause ein. Wie sein großer Bruder
Windows XP dauert der Bootvorgang etwas länger. Hier unterscheiden sich
Symbian und Windows Mobile nicht wirklich. Nach einer kurzen Einführung
zur grundlegenden Bedienung des HD wird man zur Kalibrierung geleitet.
Ist diese mittels entsprechenden Berührungen der jeweiligen Ecken des
Bildschirms erledigt, erfolgt die softwareseitige Endinstallation aus
dem sog. Extended ROM, einem - im Normalfall - nicht beschreibbaren
Teil des Hauptspeichers. Dort sind die providerspezifischen
Informationen (MMS Einstellungen, Zusatzprogramme) hinterlegt. Ein
Schriftzug auf der Vorder- sowie Rückseite verrät die Herkunft. Die Speicherkarte (bis zu 32GB) kann nur durch öffnen des Akkudeckels gewechselt werden, dafür ist sie allerdings auch staubgeschützt.
TouchFlo 3D
Das neue "TouchFLO™ 3D kann leichte Anleihen bei einige Widgets vom iPhone nicht verleugnen.
Aufgrund des sehr großen Displays kann man sich hier auf einen Blick alle notwendigen Informationen, wie
z. B. Kalendereinträge, Aufgaben, Nachrichten und E-Mails präsentieren lassen. Neu hinzugekommen ist die Möglichkeit, sich auch aktuelle Aktienkurse anzeigen zu lassen. So ist man erst einmal nicht auf das darunter liegende Windows Mobile und dem eher schlichten Homescreen angewiesen. Im Vergleich zum TouchFlo der Schwestermodelle Touch Pro oder Touch Diamond kann man hier einen deutlichen Geschwindigkeitszuwachs merken. Wer es noch schneller und professioneller mag, kann diese grafische Oberfläche aber auch komplett abschalten.
Theoretisch
lässt sich auch die T-Mobile@home Anzeige einblenden. Mittels der
Tastenkombination *130*99# soll sie aktivierbar sein. Der Reiter "Programme" bietet Zugriff auf nahezu alle
Funktionen des Mobiltelefons. Kleine Icons symbolisieren dabei die
jeweiligen Anwendungen. Ein Klick auf das Symbol mit dem Männchen
startet z. B. eine Übersicht der Kontaktfavoriten, der Druck auf das
Notensymbol den Musicplayer. Wer es lieber individueller haben
möchte, kann den sogar einzelne Reiter ausblenden.
Menü/Funktionen
Natürlich bietet auch der HTC Touch HD die üblichen Verdächtigen, wie Wecker, Rechner, Aufgaben- und Notizenverwaltung an. Selbst eine Sprachaufzeichnung ist vorhanden. Ein vollwertiger E-Mail Klient bietet Unterstützung für POP und IMAP4. Senden und Empfangen von E-Mails inklusive Dateianhang ist also kein Problem. E-Mail Push lässt sich mittels eines speziellen Serverdienstes (auf MS Exchange Basis) verwirklichen, zieht dann aber ordentlich an den Reserven des Akkus. Hierzu bieten sowohl Provider, als auch Drittanbieter entsprechende Lösungen an. Neben einem vollwertigen Webbrowser (Opera Mobile 9.5) bietet der Touch Pro auch einen Wecker sowie Taschenrechner. Um seine MP3 unterwegs bearbeiten zu können, hat HTC seinem Multimediaflagschiff einen MP3-Trimmer spendiert.
Der integrierte Beschleunigungssensor dient z. B. zur Steuerung von Spielen und wird - wie eine Wasserwaage - ausgerichtet. Über einen Trick kann man dem Touch HD sogar beibringen, dass er beim umdrehen auf das Display, Gespräche abweist. Eine Funktion, wie man sie vom Samsung Omnia oder Nokia 8800 Arte her kennt.
PIM/Office
Auch passenden Anwendungen
aus dem Officebereich (Excel Mobile, Word Mobile, Powerpoint Mobile)
sind wieder mit dabei. Excel und Word Dateien können sowohl angezeigt als auch
verändert werden. Powerpointdateien sowie PDF können dagegen nur
angezeigt werden. Allzu umfangreiche und aufwendig animierte
Präsentationen sollte man allerdings vermeiden. Mobile Word bzw. Excel
beherrschen nun auch das Hervorheben, wie beispielsweise durch
Fettschrift oder Kursivschrift. Insgesamt sind die Funktionen des
mobilen Officepaketes (Outlook, Word, Excel und Powerpoint) optisch an
Vista angelehnt.
Der Speicher für die Kontaktdatenbank
wird dynamisch verwaltet und kann daher eine Vielzahl von Informationen
aufnehmen. Hierbei wird auf Wunsch auch ein Bild des Kontaktes
abgespeichert und bei einem Anruf als Vollbild angezeigt.
Anrufe können dann - ähnlich wie beim iPhone - durch bewegen eines Sliders entgegen genommen werden. Kontakte
lassen sich durch Eingabe der entsprechenden Buchstaben suchen und nach
einer Vielzahl von Kriterien sortieren und filtern.
Bei den Kontaktfeldern sind nahezu alle
möglichen Informationsdetails möglich (Name, Mobiltelefon,
Privatnummer, Büronummer, Fax, E-Mail, Rufton sowie eine persönliche
Notiz). Ein Feld für Geburtstage ist aber nicht vorgesehen. Per
ActiveSync (Windows XP) oder dem Windows Mobile Center (Windows Vista)
werden die Daten dann mit einem PC synchronisieren. Die knapp 1.000
Kontakte synchronisierte das HD per USB in etwa 2 Minuten. Über
Bluetooth dauerte der Vorgang nur unwesentlich länger.
Der
Kalender bietet eine Jahres-,
Wochen-, Monats- sowie Tagesansicht. Anstehende Einträge werden nur
durch ein kleines Symbol dargestellt. Eine Kurzübersicht in Form eines
kleinen Popup gibt es nicht. Zu jedem Termin lässt sich eine Notiz
eingeben. Auch wiederkehrende Termine stellen den PDA nicht vor
Probleme. In der Wochen- und Tagesübersicht werden Termine durch einen
Balken dargestellt. Und natürlich kann das Touch Pro auch Aufgaben
verwalten, auch hier sind pro Aufgabe Notizen möglich. Im Gegensatz zu
den Terminen werden diese aber nicht im Kalender angezeigt. Auch die
Anzahl der bereits verbrauchten Zeichen in einer SMS werden angezeigt,
die Vielschreiber unter uns können auch mehrere davon verketten. Aber
auch hier ist Vorsicht angesagt, denn ab Werk steht der SMS-Versand auf
Unicode. Damit werden deutlich mehr Zeichen verbraten als unbedingt
notwendig. So kann eine SMS aus - für den Nutzer nicht
nachvollziehbaren Gründen - schon mal in zweigeteilt werden.
Unterhaltung/Spiele/Anwendungen
Der Bereich Unterhaltung und Spiele ist
auch beim HD serienmäßig eher ein wenig unterbesetzt. Neben „Bubble
Breaker“ und dem vom Windows bekannten Kartenspiel Solitär gibt es keine weiteren Spiele.
Auf dem freien Markt gibt es eine
riesige Menge an Spielen und Programmen, sowohl im Free- und Shareware,
als auch im Vollpreissektor. Gute Anlaufstellen für derartige Software
sind z. B. die Seiten von pocketland.de oder handango.de. Als Ablenkung
vom Ernst des Lebens würde ich die kostenpflichtigen Spiele Warfare
(eine Art Command & Conquer), Age of Empires Gold für Fans von
Strategiespielen sowie HighSeas (im Stil vom Pirates) empfehlen.
Schnelle Actionspiele lassen sich mangels eingebauten Joysticks nicht
wirklich komfortabel steuern.
Eine Erkennungssoftware namens WorldCard scannt auf Wunsch Visitenkarten und überträgt die erkannten Daten direkt in die Kontaktdatenbank. Das funktioniert sehr zuverlässig.
Videos der beliebten Plattform "YouTube" lassen sich hingegen nur mit der mitgelieferten Spezialsoftware betrachten, der Opera Browser verweigert mangels Flashplayer die Wiedergabe. Angezeigt werden aber nur die Videos, die Youtube seit dem vergangenen Jahr ins H.264-Format umgerechnet hat und auch nur in der für das iPhone üblichen Auflösung.
Navigation/GPS
Während z. B. beim Touch Diamond noch
TomTom7 zum Lieferumfang gehört, vertraut HTC hier auf das
kostenlose Google Maps. So kann man bestenfalls seine aktuelle Position ablesen, eine echte Navigation ist nicht möglich. Das Touch HD
ermittelt durch die zuschaltbare A-GPS-Unterstützung (Quick-GPS) in der
Regel nach 20 Sekunden den eigenen Standort. Der Empfang ist dabei
stabil und ohne Aussetzer.
Wie bereits erwähnt gehört TomTom 7 nicht zum Lieferumfang
des Touch HD, funktioniert (in der Version für den HTC Diamond)
aber auch auf dem HD einwandfrei und ermöglicht eine sorgenlose und
komfortable Onboard-Navigation.
Music/Video
Der
HTC eigene Musicplayer, der über das TouchFlo 3D gestartet werden kann, klingt in Verbindung mit dem mitgelieferten Stereo-Headset eher flach und macht
auf Dauer keinen Spaß. Das klingt das XPERIA X1 sowie das Apple iPhone zunächst besser. Über den 3.5 mm
Klinkenstecker kann man aber auf Wunsch auch höherwertige
Pendants aus dem High-End Bereich einsetzen. Dabei wird die
Klangqualität deutlich angehoben und kann so durchaus mit MP3-Playern
der 100 €-Klasse mithalten. Das Programm "Audio-Verstärker" dient als Equalizer und bietet unterschiedliche Presets an. Anpassungen des Klangs auf den individuellen Hörgeschmack
sind so also kein Problem.
Um die Soundqualität des HD überhaupt
testen zu können, habe ich den iGrado von Grado eingesetzt, einen Koss
Porta Pro, Sennheiser CX300 sowie Creative Labs EP 630. Der iGrado
fordert ein hohes Eingangssignal, die maximale Lautstärke des HD reicht
dabei kaum aus, um die Wandler in Schwingungen zu versetzen. Der Koss
Porta Pro spielt mit dem HD hingegen schon recht gut zusammen. Der Sennheiser CX300
leistet sich einen kleinen Abfall im Bassbereich, während der Creative
Labs EP 630 zusammen mit dem HD wirklich überzeugen kann. Ausreichende Bässe,
leicht abgeschwächte Höhen und breite Mitten kennzeichnen den Klang des HD. Ein leichtes Grundrauschen ist in einigen extrem leisen Passagen zwar noch vernehmbar, stört aber keinesfalls. Für einen Kopfhörer, der aktuell bei
Amazon nur 18 € kostet bietet gerade der Creative
Labs EP 630 ein unglaubliches Preis- Leistungsverhältnis und
stellt einen mehr als sinnvollen Ersatz für das mitgelieferte Stereo-Headset dar. Da kommt
dann auch Freude auf.
Grundsätzlich unterstützt das HD auch
A2DP und AVRCP. Somit kann man den Sound auch über
Stereo-Bluetooth-Kopfhörer, wie zum Beispiel dem Motorola S9 ausgeben.
Folgende Alben aus den Bereichen
Klassik, Electronic, Pop wurden - neben vielen anderen - zum Test
genutzt. Der Song von Mos Def hat eine starke Bassbetonung und ist
daher für einen Test in meinen Ohren gut geeignet.
Sarah Brightman
(Symphony)
Assemblage23
(Storm)
OST Blade2
(Mos Def & Massive Attack - I Against I)
The Corrs
(Talk on Corners)
Seine Songs kann man nach
verschiedenen Kriterien sortieren (z. B. Interpreten, Alben, Wiedergabelisten, Genres, Komponisten, Alle Lieder). Über
Wiedergabelisten kann
man das HD zum ganz persönlichen Hosentaschenwurlitzer umfunktionieren.
Windows
Mobile ermöglicht selbstverständlich Multi-Tasking. So kann man seine
Songs im Hintergrund weiter laufen lassen und nebenher noch andere
Aufgaben mit dem HTC Touch HD erledigen. Wer es abwechslungsreich mag,
kann seine Songs auch in zufälliger Reihenfolge abspielen. Selbst die
Wiederholung eines oder aller Songs ist möglich. Das HD taugt sogar als
Hörbuchplayer, abgebrochene Stücke werden nämlich auf Wunsch an
gleicher Stelle fortgesetzt.
Das
integrierte Radio speichert mehrere Radiosender und kann ebenfalls im Hintergrund
weiter dudeln. Hier geht der Klang ebenfalls in Ordnung, allerdings ist das Radio nicht sonderlich empfangsstark. RDS bietet es zudem nicht an. Dabei dient das Klinkenstecker-Kopfhörerkabel als Antenne, ohne Kabel kein Radio.
Der Windows Media Player dürfte
PC-Nutzern nicht unbekannt sein. So kann man den Funktionsumfang
getrost als "guten Standard" bezeichnen. Dabei werden die
abgespeicherten Videos auch im Vollbildmodus wiedergegeben. Primär
spielt er allerdings nur Videos im WMV Format ab.
Drittanbietersoftware, wie der Coreplayer oder Smartmovie ermöglichen
dann auch die Nutzung von DivX (AVI) Dateien.
Klang
Obwohl das HD nur über einen
Lautsprecher an der Unterseite verfügt, ist die maximale Lautstärke des Musicplayers und Radios
mehr als ausreichend, um am Arbeitsplatz (sofern dieser nicht auf einer
Baustelle liegt) als Beschallungsmöglichkeit zu dienen. Gespräche über
die eingebaute Freisprecheinrichtung stellen ebenfalls kein Problem dar, denn
selbst bei höchster Lautstärke scheppert der integrierte Lautsprecher
nicht. Die Akustik zwischen Gesprächspartner ist etwas dumpf aber
deutlich. So ist auch in
etwas lauteren Umgebungen noch eine problemlose Kommunikation
möglich. Die vorinstallierten Klingeltöne sind langweilig.
Connectivity
Wenig überraschend, schließlich handelt
es sich um ein Windows 6.1 Mobiltelefon, klappt die Synchronisation mit
Outlook (Telefonbuch, Aufgaben, Kalendereinträge und Notizen)
einwandfrei. Ebenfalls wenig überraschend dauert dies bei einer
Vielzahl an Kontakten auch sehr lang. Die knapp 1.000 Testkontakte
synchronisierte das HD per USB in knapp 2 Minuten. Über Bluetooth
dauerte der Vorgang nur unwesentlich länger. Der Datenabgleich mit
einem Microsoft Exchange-Server klappt zuverlässig und dank HSDPA auch
zügig.
Das HD unterstützt das Headset Profile,
HFP (Hands-Free), GAP (Generic Access), DUN (Dial-Up Networking), SPP
(Serial Port), GOEP (Generic Access Exchange), OPP (Object Push). Auch SAP
(SIM Access Profile) bzw. rSAP wird unterstützt. Auf einem geeigneten Bluetoothheadset (z. B. dem Motorola S9) steht
durch A2DP (Advanced Audio Distribution) und AVRCP (Audio/Video Remote
Control Profile) einem kabelfreien Musikgenuss nichts im Wege (sofern
amn den Windows Media Player nutzt). Der GSM/UMTS Empfang des
Quadband-Gerätes ist gut bis sehr gut. Hier braucht sich das Touch HD
nicht hinter anderen PDA-Smartphones zu verstecken. Stichwort Empfang,
die Empfangsqualität- und empfindlichkeit des integrierten
WLAN-Empfängers ist selbst in meinem Altbau noch sehr gut.
Das
HD verfügt über zwei vollwertige Webbrowser. Neben dem eher betagten und einfach gestrickten Internet
Explorer Mobile kann man auch den neuen Opera Mobile Browser in der Version 9.5
nutzen. Im Gegensatz zum XPERIA X1 kommt beim HD ein neueres Build (2682) zum Einsatz. Rein vom Aspekt der Geschwindigkeit her betrachtet surft man auf dem Touch HD dank HSDPA (sofern vom Netzanbieter angeboten) in sehr angenehmer Geschwindigkeit surfen. Webseiten werden dabei
1:1 wieder gegeben, beim Start zunächst in einer verkleinerten Gesamtübersicht. Aufgrund der hohen Bildauflösung von 800 x 480 Pixeln, denn der Browser kann auch im Quermodus genutzt werden, ist scrollen nahezu unnötig. im direkten Vergleich zum iPhone, dessen Browser bisher das Maß aller Dinge ist, baut der Opera Browser die Webseiten nur leicht langsamer auf. Das 3,8 Zoll große Farbdisplay ermöglicht absolut komfortables Handy-Surfen und lässt so wirklich alle anderen Smartphones oder PDA alt aussehen. Daran werden sich andere Geräte nunmehr wohl messen lassen müssen.
Videos
der bekannten Plattform "YouTube" beherrscht auch diese Version des Opera Browsers noch nicht.
Hierzu muss man einen speziellen FlashLite 3.1 Klienten installieren.
Die entsprechende CAB-Datei finden man z. B. bei den XDA-Developers. Das HD
fungiert auf Wunsch als Wechselspeicher, den entsprechenden Eintrag
bietet er direkt beim Anschluss an den PC an. Dateien lassen sich sehr schnell per USB übertragen, erreichen in meinen Augen aber noch nicht die Geschwindigkeit eines externen Kartenlesers. Natürlich könnte man auch den Kurzstreckenfunk
Bluetooth dazu nutzen, aber dann ist eine gepflegte Teepause angesagt.
Der E-Mail Klient unterstützt POP3 und
IMAP4. E-Mails werden unterschiedlichen Intervallen, von 5 Minuten bis
einmal täglich automatisch abgeholt. Push-E-Mail wird ebenfalls
unterstützt. Das E-Mail Programm zeigt dabei neun Textzeilen gleichzeitig an, auf Wunsch auch in HTML. Der SAR-Wert ("Spezifische Absorptionsrate") beträgt 0,722
W/kg und ist damit zwar sehr hoch, unterschreitet aber den von der
Europäischen Union festgelegte Grenzwert für Handys von 2 Watt pro
Kilogramm (2 W/kg) deutlich. Der SAR-Wert gibt dabei an, wie viel
Sendeleistung der Körper in Watt pro Kilogramm beim mobilen
Telefonieren aufnimmt.
Kamera/Video
Auf dem Papier wirken die 5-Megapixel schon mal nicht schlecht. Schaut man sich Kamerabilder des N95 oder entsprechender Modelle aus dem Hause Sony Ericsson an. Hohe Erwartungen an die Qualität
der Kamerabilder des HD sollte man allerdings nicht haben. Bedenkt man die
Tatsache, dass die Linse des Mobiltelefons nur ein paar Millimeter groß
und von eher bescheidener Qualität ist, ist dies allerdings auch kein Wunder. HTC hat beim HD
nämlich kein namhaftes Objektiv verbaut und auch die LED zur Beleuchtung
nahestehender Objekte vergessen. Das HD nutzt
allerdings - wie nahezu alle PDA-Smartphones - das komplette Display als
Sucher. So wikrne die Vorschaubilder extrem gross. Wie bei einer echten Digicam nutzt man sein HD dann im Quermodus (480 x
800 Pixel). Mit der Besonderheit, dass man durch Berührung des
Touchscreens den Punkt auswählt, der scharf gestellt werden soll. Diese Funktion nennt sich "selektiver Fokus". So lassen sich neben nahegelegene Motiven auch nur
bestimmte Bereiche eines Bildes scharf stellen, während der Rest dann
sanft ausgeblendet wird. Die Kameraoptionen bieten zahlreiche,
mal mehr, mal weniger nützliche Einstellungsmöglichkeiten.
Die
Bildauflösung kann zwischen "M"
und 5 Megapixel in 6 Schritten variiert werden. Die Auflösung lässt sich
zwischen Einfach, Normal, Fein und Superfein regeln. Super werden die Bilder dann allerdings immer noch nicht. Der Start der Kamera nimmt
etwa vier Sekunden in Anspruch, für einen echten Schnappschuss dürfte das
schon zu lang sein. Der Autofokus reagiert dabei etwas langsam (knapp vier Sekunden bis zur finalen Speicherung). Eine
dedizierte Kamerataste ist unerklärlicherweise nicht vorhanden, Scharfstellen und Auslösen erfolgt daher über ein Icon auf dem Display. Unterschiedlichen Weißabgleiche (Auto, Glühbirne,
Neonlicht, Sonnig, Bewölkt) sowie Effekte (Negativ, Graustufen,
Sepia) nehmen auf Wunsch Einfluss auf die Qualität sowie
das Aussehen der Bilder. Spezialprogramme für Sport, Porträts oder Nachtaufnahmen lassen sich erst durch einen beherzten Eingriff in die Registry des HD frei schalten. Warum HTC diese nicht direkt freigibt, steht in den Sternen. Immerhin gibt es noch eine Panoramafunktion, die drei Fotos automatisch zusammenfügt. Die Qualität der
Bilder ist bei guter Beleuchtung zwar noch recht ordentlich, bei ungünstiger Beleuchtung
tendiert sie allerdings zu einem leichten Rotschleier und in dunkleren Bereichen
schnell zur Artefaktbildung. Insgesamt werden die Aufnahmen von der Automatik zu dunkel wieder gegeben und wirken zudem noch unscharf. Ein Tribut an das kleine Objektiv? Gute Frage, andere Modelle mit 5-Megapixel Sensor machen es deutlich besser. Die
Qualität der Bilder ist somit keinesfalls mit anderen 5-Megapixelkameras vergleichbar. Da haben Sony Ericsson und Samsung deutlich bessere
Modelle in petto.
Videos
nimmt das HD mit 15 Bildern pro
Sekunde bei 320 x 240 Pixel auf. Dabei verbrät 1 Minute Video im MP4
´Container 3 MB.
Akkulaufzeit
Der mitgelieferte 1350 mAh
Akku gibt bei normaler Nutzung (kurz telefonieren, kein E-Mail-Push,
60 Minuten MP3 am Tag, ein paar Fotos und Videos) erst nach etwa 3
Tagen auf und hält somit länger als sein schwächerer Bruder im
Diamond. Nach knapp fünf Stunden Dauertelefonat im GSM-Netz und etwa 6 Stunden im UMTS-Netz gehen
bei ihm dann aber endgültig die Lichter aus. Intensivnutzer mit
aktiviertem E-Mail-Push und Telefonitis werden ihren Touch HD trotzdem
nach knapp 12 Stunden laden. Im normalen Stand-by (GSM) Modus und ohne daran
rumzuspielen kommt man auf eine - praxisferne - Laufzeit von etwa 12
Tagen. Nutzt man für den Musikgenuss hingegen A2DP, so gehen dem HD schon nach knapp 6
Stunden die Lichter aus. Auch das HD wird - wie das
HTC Touch Pro und alle seine Brüder - im täglichen Einsatz warm.
Das HD im Videotest
Fazit
Die Gesprächqualität des HD ist etwas dumpf. Dafür
geht die Sende-/Empfangsleistung voll in Ordnung. Der PDA-Teil des HD kann
hingegen - gerade aufgrund des sehr großen Displays - überzeugen. Die Bedienung über die Mischung aus TouchFlo 3D und
normaler Windowsumgebung ist allerdings immer noch suboptimal. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Umstand eines Tages durch Windows 7 (oder 6.5) erträglicher gestaltet wird. Für kurzweilige Unterhaltung
sorgt der klanglich überzeugende Musicplayer
sowie das leicht empfangsschwache FM-Radio. Das 3,8"
Display ist mit einer Auflösung von 800 x 480 Pixel eine absolute Wucht und stellt alles Bisherige in den Schatten.
Für Einsteiger in die Windows Mobile Welt ist das HTC Touch HD sicher genau das richtige Gerät. Im Vergleich
zum ebenfalls guten X1 kann eigentlich nur das Display überzeugen. Im Vergleich zum iPhone kommt noch die deutlich bessere Akkulaufzeit und die bessere Businesstauglichkeit hinzu. Preislich muss der
Käufer für das Touch HD in etwa 600 € einplanen. Also ähnlich viel, wie für das X1 oder iPhone (aus dem Ausland).
Für den Leistungsumfang ist der Preis wirklich angemessen.
Design und Wertigkeit können überzeugen. Fazit: Wirklich empfehlenswert, mein Kompliment an HTC.