Die Firma Grado, bekannt für ihre schon fast einzigartigen Kopfhörer, lies es sich nicht nehmen auch für die iPOD-Serie von Apple einen adäquaten Kopfhörer zu kreieren. Natürlich lässt sich dieses Meisterstück auch ganz hervorragend mit anderen Musikquellen betreiben. Ich habe ihn mit meinem Apple iPhone sowie aktuellen Modellen der N-Serie sowie dem 5610 XpressMusic von Nokia getestet. Wie sich der nur gut 80 € teure Kopfhörer im Test mit den mobilen Soundquellen geschlagen hat lesen Sie im Anschluss.
Design/Verarbeitung
Lieferbar in weißem (Testgerät) als auch in schwarzen Finish verfügt der iGrado über durchschnittlich dicke und leicht fragil wirkende Kabel. So treten im täglichen Einsatz allerdings auch keine Kabelgeräusche auf. Sämtliche Steckverbindungen sind ohne Fehl und Tadel. Der Bügel des iGrado besteht aus Kunststoff und lässt sich in gewissen Grenzen biegen. Richtig einklappbar, wie z. B. der Koss Porta Pro oder Modelle der Firma AKG ist er aber nicht. Ein platzsparender Transport ist so etwas schwieriger. Die Verarbeitungsqualität des iGrado ist überragend. Auch nach mehrwöchigen, intensiven Einsatz hat der Bügel nichts von seiner Spannkraft verloren. Stichwort Bügel: Der iGrado wird mittels eines Nackenbügels getragen, mit all seinen Vor- und Nachteilen. Hierzu später mehr beim Tragekomfort. Natürlich ist der 3.5 mm Anschluss vergoldet.
Die beiden Schallwandler sind sehr markant. Träger eines iGrado erkennt man so schon vom weiten. Hier wird vom Träger ein gerüttelt Maß an Selbstbewusstsein erwartet. So hatte ich während meines Tests öfter den Eindruck, mit "Mork vom Ork" verwechselt zu werden. Zumindest wenn ich die Blicke der Passanten richtig gedeutet habe ("Nanu Nanu"). Im Zeitalter der in-ear Generation ist ein iGrado wohl doch ein seltener Anblick.
Technische Daten
Die iGrado verfügen über belüftete Membrane, die Membranspulen und Zuleitungen bestehen hierbei aus Kupfer.
Frequenzgang
20 – 20.000 Hz
Übertragungsprinzip
Dynamisch - offen
Kanalgleichheit min.
0.1 db
Eigenimpedanz
32 Ohm
Max. Pegel bei 1mV
100 dB
"Der iGrado verwendet ein Bassreflexprinzip mit belüfteten Membranen und einer großen Luftkammer. Dieses Konzept verlegt die Eigenresonanzen und damit den Verzerrungsbereich nach unten und verbessert die Basswiedergabe. Die Membran ist aus einem sehr leichten Polymer gefertigt, das so ausgeprägt wurde, dass die Resonanzenergie über einen breiteren Frequenzbereich gestreut wird und damit die einzelnen Störamplituden signifikant gesenkt werden. Membranmasse und Federkonstante der Aufhängung sind so gewählt, dass eine sehr tiefe Resonanzfrequenz erreicht wird." (Quelle: Grado.eu)
Klang
Der iGrado liefert ein absolut überzeugendes Klangbild mit kristallklaren Höhen und stimmigen Mitten, bietet im Bassbereich aber ein schwächeres Bild. Seine Stärke ist ganz klar seine neutrale und präzise Wiedergabe, die fast schon als analytisch bezeichnet werden kann ohne dabei ganz auf Bass verzichten zu müssen. Einen wirklich optimalen Klang liefert ein solch hochwertiger Kopfhörer allerdings nur an einer guten Stereoanlage. Hier musste der iGrado dann gegen meinen Sennheiser HD600 antreten. Dieser konnte aber aufgrund seines wärmeren Klanges den Sieg für sich entscheiden.
Im täglichen Einsatz mit iPhone, iPod und Co. muss man gerade im Bassbereich auch mit einem iGrado noch weitere Abstriche machen. Das iPhone erzeugt leider einen sehr schwachen Bass. Diese Schwäche teilen aktuelle N-Serie Modelle (N95 8GB, N91) bzw. das 5610 XpressMusic von Nokia nicht. Kopfhörer dieser Leistungsklasse decken schlechtes Ausgangsmaterial gnadenlos auf.Fehlcodierte Stellen (Artefakte) in einer Musikdatei ( MP3, AAC und Co.) lassen sich sofort heraushören. Wer also in den vollen Genuss der Leistungsfähigkeit seines iGrado kommen will, sollte seine MP3 mit mindestens 256 kbit/s konvertieren und KEIN iPhone nutzen. Der iGrado ist geradezu dafür prädestiniert zu zeigen (hören), wie "armselig" der Klang bzw. Equalizer des iPhone wirklich ist. iPOD und iPhone sind in meinen Ohren klanglich sicher keine Referenz, da verlasse ich mich lieber auf meinen eSTAR Laboratories Monolith MX-7010.
Folgende Alben aus den Bereichen Pop, Electronic, R&B wurden - neben einer Vielzahl anderer Songs - zum Test genutzt. Der Song von Mos Def hat einen extremem Bass und ist daher als Klangbeispiel gut geeignet.
Sarah Brightman (Symphony)
Assemblage23
(Storm)
OST Blade2
(Mos Def & Massive Attack - I Against I)
The Corrs
(Talk on Corners)
Gerade bei ruhigen Songs von Sara Brightman oder den Corrs kann der iGrado seine Spielfreude voll zur Geltung bringen.
Ein Video zur Lautstärke des iGrado in Verbindung mit dem iPhone gibt es hier:
Setzt man die Lautstärke auf ein klanglich akzeptables Maß hoch, so können in geschlossenen Räumen auch die Sitznachbar wunderbar mithören. Der Einsatz in Bussen und Bahnen will daher wohlüberlegt sein. Ein Nachteil nahezu aller offenen Modelle.
Lieferumfang
In der üblichen Blisterverpackung befindet sich nur der iGrado. Ein Adapter auf 6.3 mm bzw. eine Kabelverlängerung gehören nicht zum Lieferumfang. Natürlich sind im Falle eines Falles für die GRADO-Modelle austauschbare Ohrpolster erhältlich, ebenso wie eine passende Zuleitungsverlängerung (ca. 4,5 m) und Adapterkabel für Mini-Klinkenbuchsen. Ohne passenden Adapter kann der iGrado nicht am verkorksten Ausgang des iPhone betrieben werden. Hier muss man auf andere Quellen zurück greifen. In Verbindung mit einem passenden Mikrofonadapter (z. B. den MPA von Shure) kann man mit der Kombination iGrado/iPhone auch wunderbar telefonieren. Das Anschlusskabel des iGrado ist dabei ausreichend lang.
Tragekomfort
Der iGrado liegt sehr eng am Kopf, sprich an den Ohren an. Der Nackenbügel verhindert hierbei ein Anlehnen des Kopfes an Kopfstützen oder ähnliches. Bei langen Reisen im Zug ist dies ein kleiner Nachteil. Auch beim Sport (Langlauf, Radfahren) stören die iGrado - trotz den festen Sitzes - nicht. Es sind keinerlei Kabelgeräusche zu hören und die Außenwelt wird nicht so stark abgeschirmt, wie bei in-ear Modellen. Inwieweit ein ermüdungsfreies Hören über mehrere Stunden möglich ist, kann ich nicht beurteilen. Mangels Kondition und Zeit habe ich ihn beim Sport nie länger als 2 Stunden getragen. Ich persönlich habe den strammen Sitz nicht als störend empfunden.
Fazit
Wer keinen ausgeprägten Bass erwartet oder gewöhnt ist, wird den präzisen Klang des iGrado im täglichen Einsatz mit iPhone, iPod & Co. schätzen und seine Neutralität lieben. Die kristallklare Wiedergabe des iGrado ist einfach "entzückend". Gerade im Hinblick auf den geringen Preis von 80 € ist der iGrado das überzeugendste Modell in seiner Preisklasse. Alle GRADO-Produkte sind allerdings nur über den High-End Fachhandel erhältlich – Händleradressen gibt es ber den deutschen Vertrieb ACTIVE Audio Vertrieb GmbH, Tel. 0911-880 330 (info@grado.eu).
Wer mehr Bass benötigt und dabei weniger Geld ausgeben will, sollte sich mal den Koss Porta Pro bzw Modelle von AKG (z. B. K 24 P) anhören. Für Nutzer, die Wert auf analytischen Klang legen und dabei eher In-Ear bevorzugen, ist der Shure SE210 eine gute Wahl. Für Hörer, die deutlich mehr Bass benötigen, ist der Etymotic ER6i bzw. Super.fi 4 vi einen Test wert.